10 Dinge, für die du dich beim Osteopathen absolut nicht genieren musst.

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Mal Hand aufs Herz. Wir sind doch alle nur Menschen. Jeder hatte bestimmt sein T-Shirt schon mal verkehrt herum an, ein Stück Petersilie zwischen den Zähnen oder beim wichtigen Essen einen Kleckerfleck auf dem Hemd. Na klar könnte man in solchen Momenten im Boden versinken und dennoch weißt du, es ist gerade dann einfach nicht zu ändern und wirklich richtig echte Probleme, sehen ganz anders aus. Der heutige Beitrag speist sich aus meiner täglichen Praxisarbeit. Immer wieder mal werden Schamgefühle an mich herangetragen. Das verstehe ich nur zu gut und trotzdem kann ich dir versichern, dass ein Osteopath seine Gedanken zwar absolut bei dir, jedoch komplett woanders hat. Doch dazu später. Schau mal die Punkte durch.

  1. Unterwäsche

Gleich zu Beginn komme ich zu einem bewegenden Punkt. Die Unterbuxen. In den allermeisten Fällen ist es hilfreich, wenn sich der Patient zur osteopathischen Untersuchung bis auf die Unterwäsche entkleidet.

Ein alter Leitspruch verfolgt mich seit meiner Ausbildung.

Durch das Hemd und durch die Hose stelle nie die Diagnose.

Sofern nicht irgendetwas dagegenspricht, ist es mir wichtig, dass ich den Körper in Ganzheit betrachte. Hautfarbe, Gefäßzeichnungen, Verletzungen. Die Haut verrät viele wichtige Sachen. Diese führen mich letztendlich zur Behandlungsthese. Innerhalb der Untersuchung richte ich meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Haut, die Gelenke sowie die Muskeln.

Und du merkst es schon selbst, oder? Mir ist völlig egal, ob die Farbe des Büstenhalters zur Unterhose passt. Ob die Unterhose Löcher hat, ausgeleiert ist. Es ist mir komplett egal. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich sehe es nicht. Doch – ich sehe es. Aber nochmal. Es ist mir absolut egal. Ok?

  1. Löcher in den Strümpfen oder zwei verschiedene Strümpfe

Bisschen unverfänglicher aber dennoch ebenso großer Peinlichkeitsmoment sind die Socken. Vor allem die lieben Feinstrümpfe der Damen. Die haben doch immer irgendwo ein Loch, oder? Bei allem Ärger in der Welt, welchen Wert hat ein kleines Löchlein in einer Socke? Und ich denke, die Füße werden gut warmgehalten, auch wenn der eine grün und der andere Socken blau ist. Mach dir also keinen Kopf. Mich als Osteopathin interessiert es überhaupt nicht, denn es ist für unsere Behandlung nicht relevant.

  1. Dicker Bauch, schwabbelige Oberarme oder Oberschenkel

Hm. Dickliche Körperteile. Was soll ich dazu sagen. Das ist nun mal so. Das ist dein Körper und der ist schön, genauso, wie er ist.

Die Form unseres Körpers ist das Produkt der genetischen Veranlagung und Zeichen der Zeit.

Osteopathisch betrachte ich natürlich Einlagerungen und Anlagerungen von Flüssigkeiten oder Gewebe. Jedoch betrachte ich diese Anzeichen des Körpers rein aus funktionellen Aspekten.

Alles andere ist Lifestyle und der wird aus meiner Sicht ganz schön übertrieben. Einfach nicht mitmachen und einen ganz normalen Körper leben und lieben. Nie würde mir einfallen, Menschen anhand ihrer äußeren Form zu bewerten. Ich hoffe ich kann dir damit einfach ein wenig Mut machen, die Zeit in einer osteopathischen Behandlung zu genießen. Denn hinterher wird es dir wahrscheinlich auf einer anderen Ebene bessergehen.

  1. Schwitzige Haut

Ach ja, die lieben Schweißflecke unter den Armen, klatschnasse Füße oder ein Körper nassgeschwitzt wie gebadet. Im Prinzip gibt es zwei physiologische Gründe, warum man in bestimmten Situationen mehr schwitzt.

Zum einen führt ganz simple Aufregung, die uns fast alle ereilt, wenn wir was machen, was wir nicht kennen zu vermehrtem schwitzen. Eine osteopathische Sitzung, meist die erste, ist für viele insofern stressig, da sie nicht so genau wissen, was kommt. Stell einfach alle Fragen, die dir einfallen. Frag alles, was dich verunsichert. Zum anderen wirken sich bei manchen Frauen die Wechseljahre sehr massiv aus, das heißt, alle paar Minuten sind die Frauen schweißgebadet.

Der eine oder der andere Grund, beides ist völlig natürlich und muss dir beim Osteopathen nicht unangenehm sein. Frischer Schweiß riecht entgegen vieler Bedenken auch nicht.

  1. Bauchgrummeln und Gluggern

Kennst du das? Sobald du beim Osteopathen auf der Liege liegst fängt dein Bauch an zu grummeln und zu gluggern? Obwohl du gefrühstückt hast? Diese Klänge sind definitv kein Hungerknurren. Schon oft habe ich beobachtet, wie sich Leute unmittelbar mit der Hand auf den Bauch hauen um diese Geräusche zu unterdrücken. Dabei freue ich mich als Therapeutin immer sehr, wenn ich sie höre. Sie zeigen an, dass der Körper beginnt, sich zu entspannen. Für mich ein wichtiges Zeichen, dass wir mit der Behandlung auf dem richtigen Weg sind.

  1. Pupsen

Oh oh. Das ist ein heikles Thema. Der Osteopath oder vielleicht auch ein anderer Therapeut ackert und ackert, du bist grad so schön am eindösen. Der Körper entspannt, die Gedärme entspannen, der Schließmuskel entspannt …. und ….. trööööööööt, ist es dir entfleucht.

Ich gebe zu, mir wäre es auch unangenehm, weil wir in unserer Gesellschaft in die Peinlichkeit konditioniert sind.

Aber auch in diesem Punkt kann ich dich entlasten. Ich und ich schätze mal, auch meine Kollegen, wir drängeln uns zwar nicht nach diesen Geräuschen und Gerüchen, dennoch habe ich innerhalb meines Berufslebens schon schöne Konzerte gehört. Ganz normal. Passiert halt mal. Kein Grund für größere Aufregung. Mach es einfach wie die Babys. Quietschvergnügt unschuldig gucken und einfach weiterstrampeln.

Nicht selten war der eine oder andere Rückenschmerz wie von Zauberhand verschwunden, als endlich dieser lästige Druck aus dem Bauch raus war.

  1. Worte

Wenn du zu einer osteopathischen Behandlung bist, kannst du dir sicher sein, dass der Behandler der gesetzlichen Schweigepflicht unterliegt. Nur ihr beide wisst, was in dieser Sitzung besprochen wurde.

Nutze einfach diese Chance, Worte in die Welt zu bringen, die dir schon lange auf dem Herzen liegen. Möglicherweise sind sie der Grund für deine Beschwerden. Du musst dich für nichts rechtfertigen. Die Worte die oft während einer Behandlung spontan ins Bewusstsein und damit nach außen drängen, sind die tiefe innere Wahrheit. Jeder Behandler ist darauf gefasst und wird dir empathisch zur Seite stehen.

  1. Gefühle, Tränen, Weinen

Nicht nur Worte drängen in osteopathischen Behandlungen nach außen. Nicht selten tauchen spontan Gefühle auf, fließen wie aus dem Nichts die Tränen oder steigt auch Wut auf.

All das ist gut und richtig.

Wenn nicht in der Behandlungssituation, wann dann könnte denn der Moment günstiger sein, sich diesen alten gespeicherten Informationen zu widmen? Oft reicht es total aus, einfach achtsam zu beobachten und geschehen zu lassen, was da so auftaucht. Oft müssen wir weder drüber reden noch tiefer hineingehen oder interpretieren. Denn die Gefühlsregungen sind der Prozess der Verarbeitung.

Ich für meinen Teil heiße jede Träne und jede Emotion herzlich willkommen. Denn in einer Welt wo es fast nur noch um Glamour und Funktionieren geht, werden die Zeiten zum Verarbeiten von Geschehnissen immer geringer.

  1. Hornhaut an den Füßen

Immer wieder kommt es vor, dass Leute sich für die Hornhaut an ihren Füßen entschuldigen. Das ist nicht nötig. Die Bildung von Hornhaut ist ein funktioneller Prozess.

Menschliches Leben ist Dynamik. Umso mehr Verdichtung am Fuß entsteht, desto besser ist der Fuß gepuffert. Dir ist doch bestimmt schon aufgefallen, dass kaum hast du sie abgehobelt, ist sie schon bald wieder da. Dann wird der Fuß seinen Grund dafür haben.

Eine osteopathische Regel besagt:

Form follow Function – Die Form folgt der Funktion.

Und wenn der Körper mehr Pufferung wünscht, macht er eben Hornhaut. Für mich also kein Zeichen von Ungepflegtheit, sondern ein Zeichen, dass der Körper irgendwo an Beweglichkeit oder Stabilität eingebüst hat. Ich werde nicht über die Hornhaut nachdenken, sondern mich auf die Suche machen, warum der Körper diese Anpassung erschaffen hat.

  1. Arbeitslosigkeit und Krankschreibung

Der letzte Punkt liegt mir besonders am Herzen. Niemand muss sich für eine bestehende Arbeitslosigkeit oder für eine Krankheit samt Krankschreibung entschuldigen. Im Prinzip kommt fast jeder wenigstens einmal innerhalb seines Berufslebens in solch eine Situation.

Das ist weder ein Zeichen von Versagen noch Ausdruck von „der Gemeinschaft auf der Tasche liegen“. Diese Phasen sind staatlich und auch von den Versicherungen kostentechnisch einkalkuliert.

Wenn ich als Osteopathin den beruflichen oder Krankheitsstatus erfrage, dann interessiert mich daran, wo du als Patient gerade stehst. Also wie geht es dir körperlich und psychisch mit der Krankheit. Existiert eine Krankheitseinsicht. Ist die Existenz durch Krankengeld oder Angehörige abgesichert? Wie realistisch schätzt du selbst den Heilungsverlauf ein, denn am Ende der Sitzung sollten wir uns einig sein, wie der Weg zur Verbesserung ausschauen könnte. Dazu führen wir dann Aufklärungsgespräche, denn meine Erfahrung der Praxis zeigt, solange man sich gegen die Krankheit wehrt, solange wird keine Verbesserung eintreten.

Fazit

Wie du siehst, gibt es doch eine Menge Punkte, die Menschen manchmal in peinliche Momente bringen. Doch ich kann nur noch mal eindringlich versichern, dass alles, was wir Osteopathen in der Behandlung entdecken und erfahren, der Schweigepficht unterliegt. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich für irgendetwas zu genieren. Alle Reaktionen und Erscheinungen des Körpers sind wunderbare Zeichen menschlichen Lebens und vor allem tolle Zeichen, dass dein Körper genau richtig funktioniert.

Die Hauptaufgabe des Osteopathen ist es, in kurzer Zeit zu entscheiden, ob er dir mit seinen Techniken helfen kann – oder ob er dich mit deiner Symptomatik zur weiteren Abklärung oder sogar in die Rettungsstelle schicken muss. Da wir nie wissen, wer welche Symptomatik mitbringt, sind wir die komplette Sitzung hochkonzentriert und beobachten dich und deinen Körper. Das ist unser Hauptfokus. Alle oben genannten Punkte laufen nebenbei – ganz normal, es muss dir nichts peinlich sein.

Sei stolz auf dich und deinen Körper und genieße dein tolles Leben.

Und jetzt interessiert mich natürlich – habe ich etwas vergessen? Gibt es etwas wofür du dich während einer Sitzung mal geniert hast? Oder liebe Kollegen – ist euch noch etwas begegnet, was ich nicht erwähnt habe?

Dann bitte gleich unten drunter ins Kommentarfeld schreiben. Vielen Dank dafür.

 

 

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