Gesundheitstipp 15/51: Die Dinge nicht bewerten

Ist die wahre Pracht eines Menschen immer gleich zu sehen?

Ist die wahre Pracht eines Menschen immer gleich zu sehen?

Stell dir mal vor, du könntest einfach nur so SEIN. Kein Mensch würde es komisch finden, wenn du grad heute einen Pickel auf der Nase hast, dein T-shirt nicht gebügelt ist oder dein Partner anderer Nationalität ist.  Das dicke Bierbäuchlein wäre ok und auch deine schrille Stimme. Dein langsames Arbeitstempo wäre voll in Ordnung und auch dein Gesichtsausdruck, der so oft falsch bewertet wird.

Einfach alles wäre genauso richtig und akzeptiert, wie es eben gerade ist.

Eine Traumvorstellung für mich.

Nicht nur für mich persönlich. Mit meinem Job sitze ich an der Quelle des körperlichen und seelischen Leidens und bekomme öfters eine Ahnung, was den Leuten wirklich zu schaffen macht.

Es sind die Bewertungen durch Mitmenschen.

Was wir alle brauchen ist Annahme und Akzeptanz.

Doch Ding Dong. Herzlich willkommen in der Realität. Die sieht nämlich leider ganz anders aus. Da wird gemutmaßt, getratscht, gelästert und damit ordentlich bewertet. Das ist oberflächlich und meistens abwertend.

Bewertungen stellen für mich Spaltungen dar. Bewertungen schaffen Abstand.

Grässlich.

Doch dahinter steckt meistens ein Ziel. Ein Unbewusstes.

Schau mal hier auf dieses Beispiel:

Ich (die bewertende Person) sehe also jemand, der sieht zumindest von außen betrachtet unglaublich dick aus. Kannst Du ihn in deiner Vorstellung auch grad sehen? Unglaublich dick. Schlimm. Und schon geht die Gehirnspirale los.

Der futtert bestimmt ungesund. Der macht kein Sport. Warum macht der kein Sport. Fürchertlich. Der hat bestimmt Gelenksprobleme und belastet damit die Krankenkassen. Das macht mich WÜTEND. Oder der ist einsam und futtert aus Traurigkeit. Das macht mich unglaublich TRAURIG. Die Straßenbahn rumpelt um die Ecke und fast wäre dieser dicke Mensch auf mich drauf gefallen. Da bekomme ich es mit der ANGST zu tun. Um ein Haar hätte ich mich wegen ihm verletzt. Er hätte das  bestimmt nicht koordinieren können. Er ist schuld. Weil er zu dick ist. Das macht mich wieder WÜTEND. Aber er sitzt alleine. Er tut mir LEID. Ich will helfen. Denn ich möchte, dass es ihm genauso gut geht wie mir. Dann springt er plötzlich aus der Straßenbahn und erreicht flink und wendig den Anschlussbus. Nun bin ich ÜBERRASCHT.

Merkst du, worauf ich hinaus will?

Auf alles was dir im Leben widerfährt reagiert dein Unterbewusstsein mit einem GEFÜHL.

Deine bewussten Gedanken dazu sind reinweg deine INTERPRETATION.

Diese Interpretation kreiert unser Gehirn aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung. Mag sein, dass diese Erfahrung und damit die Interpretation ziemlich gut ist und sich nahe an der Realität bewegt.

Und dann schaust du auf einmal ganz konzentriert, denn du willst diesen einen Gedanken zu Ende denken. Plötzlich sagt jemand zu dir:

„Warum guckst du denn so kritisch?“

Zack.

Was geschieht? Bist du einverstanden mit dieser vielleicht nett gemeinten aber dennoch oberflächlichen Bewertung?

„Ich gucke nicht kritisch. Ich bin konzentriert.“

Du RECHTFERTIGST dich, weil du augenscheinlich nicht den richtigen Gesichtsausdruck hattest.

Mir ist das im Leben oft geschehen. Ich fühlte mich oft bewertet und ich habe auch oft bewertet. Und ich verneige mich ehrfürchtig vor allen, die das ausgehalten oder für nicht so dramatisch befunden haben.

Mittlerweile übe und versuche ich nur die klare Faktenlage zu betrachten.

Er wiegt 100 Kilo.

Punkt. Der Rest interessiert mich nicht. Warum und weshalb er 100 Kilo wiegt – interessiert mich nicht.

Mein Beispiel mit dem fülligen Mensch ist frei aus der Luft gegriffen. Ich könnte, wie auch eingangs des Artikels begonnen – unzählige Beispiel auf diese Art und Weise durchspielen.

Entscheidend ist:

WAS macht ES mit mir – wenn ich dies oder jenes sehe oder erlebe.

Und was mache ICH mit der Information.

Für diese Woche empfehle ich dir die einfache Beobachtungsaufgabe, wie oft du in eine bewertende Situation gerätst. Also sowohl bewertet dich jemand oder bewertest du jemand.

Umso wertfreier wir miteinander umgehen, umso wertvoller werden Begegnungen.

Sei neugierig, was dir so alles widerfährt. Sei neugierig, wie gut das tut und im Kommentarfeld hast du die Möglichkeit mir und allen anderen Lesern zu schreiben, was du darüber denkst.

Dieser Beitrag ist Teil einer wöchentlich erscheinenden Artikelserie. Der nächste Gesundheitstipp erscheint in einer Woche. Schau gern wieder vorbei.

 

 

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