Gibt es Unterschiede bei Osteopathen?

IMG_1948Das Bild symbolisiert es ganz gut und damit ist diese Frage auch schon kurz und knapp beantwortet. Ja. Es gibt Unterschiede bei Osteopathen, teilweise sogar gravierende. Wo diese liegen und ob das einen Einfluß auf die Qualität einer Behandlung hat, erfährst du in diesem Beitrag.

Ursprungsberuf eines Osteopathen

Im Moment wird die Weiterbildung zum Osteopathen häufig als berufsbegleitende Fortbildung besucht. Das heißt, die meisten Osteopathen haben schon einen vollständigen Vorberuf. Vorrangig richtet  sich die Ausbildung an Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Ärzte. Doch auch Ergotherapeuten und Logopäden nehmen daran teil. Da die Weiterbildung zum Osteopathen hauptsächlich an privaten Instituten stattfindet, gibt es keine staatlich Regelung und somit auch keine geregelte Zugangsvorrausetzung. Es bleibt die freie Entscheidung der Institute, wen sie aufnehmen.

An wenigen Instituten wird die Ausbildung bereits als Vollzeitstudium und somit als Erstausbildung angeboten. Dann existiert in der Regel kein Vorberuf. Die Heilerlaubnis erlangen diese Vollzeitausgebildeten durch den Erwerb der Heilpraktikererlaubnis.

Das heißt also, ein Osteopath kann ein Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde, ein Heilpraktiker oder ein Arzt sein. Nach derzeit geltendem Recht dürfen jedoch nur Heilpraktiker und Ärzte die Osteopathie in Deutschland rechtssicher ausüben. Alle drei anderen Berufe sind sogenannte Heilhilfsberufe und arbeiten eigentlich auf Anweisung. Die Verordnungspraxis der Osteopathie berührt derzeit eine Grauzone.

Den Unterschied zwischen Physiotherapie und Osteopathie habe ich hier genauer beschrieben und um den Unterschied zwischen Orthopädie und Osteopathie geht es hier.

Der Ursprungsberuf sagt absolut nichts über die Qualität des Osteopathen aus.

Ausbildungsdauer

Hier gibt es große Unterschiede, denn die Ausbildung ist nicht staatlich geregelt. Die Ausbildungsspanne reicht von wenigen Wochenenden bis zu mehreren Jahren. Das allein lässt die Sache etwas undurchsichtig werden, denn da der Beruf nicht geschützt ist, kann sich praktisch jeder Osteopathie auf seine Visitenkarte schreiben.

Durch Osteopathieverbände wird eine berufsbegleitende Ausbildungsdauer von 1350 Stunden empfohlen. Diese sind dann je nach Institut meist über 4-5 Jahre in Wochenendseminaren verteilt. Im Volksmund oder auch in Berufskreisen wird diese Ausbildung als die vollständige oder komplette Ausbildung bezeichnet. Diese Deklaration ist teilweise jedoch auch irreführend, denn selbst 5 Jahre Ausbildung ist kein Garant für Absolution. Eine Qualitätssicherung ergibt sich nicht zwingend durch die Länge der Ausbildung. Für mich ergibt sie sich einzig und allein durch die ausübende Person und deren Kompetenzen.

Grundlegend bildet die mehrjärige Ausbildung ein auf sich aufbauendes Denkmodell, welches sich erst gegen Ende der Ausbildung erschließt. Das Kernstück der Osteopathie, die ganzheitliche Betrachtung eines Menschen, zeigt sich tatsächlich oft erst nach Jahren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich am Anfang meiner Ausbildung ziemlich strukturell osteopathische Techniken angewendet habe, während ich mich jetzt, in der Betrachtung eines Menschen, in einem Denkmodell bewege.

Insofern ergibt sich also durch die Länge der Ausbildung der Unterschied in der holistischen oder strukturellen Betrachtungsweise.

Wenn ich selbst einen Osteopathen aufsuche, schaue ich demnach immer erst mal in den Lebenslauf, den die meisten aus diesen Gründen auf der Internetseite veröffentlicht haben. Wichtig wäre hierbei zu erwähnen, dass viele Osteopathen keine Internetseite haben. Das allein ist also noch kein Grund, nicht hinzugehen. Aus Gründen von massiven Abmahnwellen haben leider einige sehr gute Kollegen ihre Seiten vom Netz genommen. Hier kann ein Anruf helfen, um sich über den beruflichen Werdegang zu informieren. Ich habe meine Kollegen nicht gefragt aber ich gehe einfach mal davon aus, dass jeder dazu gern Auskunft erteilt.

Stundensatz

Auch beim Stundensatz von Osteopathen gibt es mächtige Unterschiede, die jedoch in keinster Weise eine Auskunft über die Qualität geben. Das einzige was ich hierbei als Kriterium einbeziehen würde ist, dass der Osteopath überhaupt einen Stundensatz hat. Denn das ist zumindest für mich das Zeichen, dass er sich klar mit dieser Methode identifiziert und es nicht zu einer Vermischung von Leistungen kommt.

Dauer und Verlauf einer Sitzung

Hier gibt es ebenfalls gewaltige Unterschiede, welche kein Qualitätskriterium darstellen. Von 15 Minuten bis 2 Stunden habe ich schon alles gehört und im Netz gelesen. Die meisten Osteopathen bewegen sich bei 45 – 60 Minuten für Erwachsene. Für Kinder wird häufig eine halbe Stunde eingeplant.

persönliche Neigung

Auch wenn sich die Inhalte einer 4-5 jährigen berufsbegleitenden Ausbildung weitestgehend decken, so entwickelt doch jeder Osteopath im Laufe seines Berufslebens eine persönliche Handschrift. Das allein kann dann den Unterschied von dem Einen zum Nächsten darstellen. Bei zwei verschiedenen Osteopathen wird man nie eine identische Sitzung erfahren.  Einer arbeitet vielleicht lieber mit Knochen und Gelenken, nutzt vielleicht kräftige auch manipulative Techniken. Ein anderer legt vielleicht nur die Hände auf und arbeitet sogenannt biodynamisch. Beides oder auch noch ganz andere Varianten sind möglich und stellen kein Qualitätskriterium dar.

inhaltliche Ausrichtung / Spezialgebiete

Genau wie in anderen Berufen gibt es auch bei Osteopathen fachliche Spezialisierungen oder unterschiedliche inhaltliche Ausrichtungen. Das mag damit zusammenhängen, dass die Medizin im Allgemeinen ein riesiges Gebiet ist und wohl kaum einer alles wissen kann. Das mag auch mit persönlichen Interessen oder auch bestimmten Arbeitsplätzen zusammenhängen.  Diese Spezialisierungen entstehen demnach aufgrund persönlicher Motivation oder der Motivation von Interessengruppen.

Diese Spezialisierungen werden zunehmend mit diversen Siegeln versehen.

Diese Siegel oder Spezialisierungen werden zwar hochgelobt und werbewirksam eingesetzt, stellen allein für sich jedoch in keinster Weise eine Qualitätssicherung dar. Es gibt keine regulierende Behörde oder Einrichtung, welche Qualitätskriterien erlassen hat und diese kontrolliert.

Praktisch betrachtet gibt es jedoch greifbare Unterschiede. Diese ergeben sich zum Einen aus dem Grundberuf und der bisherigen Tätigkeit und zum Anderen aus weiterführenden Fortbildungen.

Obgleich jeder Osteopath sich jedem funktionellen Problem widmen können sollte, kann es sinnvoll sein, zu schauen, ob es einen zum eigenen Thema inhaltlich ausgerichteten Osteopathen gibt.

Titel

Immer wieder findet man hinter der Bezeichnung Osteopath noch verschiedene Buchstabenkürzel. Diese Titel sind Ausdruck und Marken privater Osteopathieinstitute, privater Hochschulen oder Bezeichnungen anderer osteopathisch ausgerichteter Vereinigungen. Teilweise beinhalten sie, ob sich zum Beispiel ein Osteopath einer These wissenschaftlich genähert hat.

Sie drücken also lediglich einen Teil des beruflichen Werdegangs aus, stellen aber ebenfalls kein gesichertes Qualitätskriterium dar. Bei osteokompass.de kannst du eine umfangreiche Liste dazu einsehen.

Fazit:

Wie du siehst, gibt es doch eine Menge Unterschiede bei Osteopathen. Manchmal sind sie rein organisatorischer Natur. Manchmal betrifft es die Inhalte. Nicht in jedem Fall und um genauer zu sein, ziemlich selten stellen die Unterschiede ein Qualitätskriterium dar. Nun obliegt es dir, sie in die Entscheidung in der Wahl eines Osteopathen mit einzubeziehen. Hast du Fragen zu diesem Artikel oder eine Ergänzung? Dann schreib mir gern einen Kommentar dazu.

Ich bedanke mich für deine Aufmerksamkeit.

 

 

 

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