Osteopathie im Schleuderwaschgang. Wie soll man denn da als Laie noch durchsehen?

EfleurageAls diese Methode Praktizierende sitze ich quasi nun jeden Tag irgendwie und irgendwie auch wieder nicht zwischen den Stühlen.

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht mit einem Patient über mögliche Kostenübernahme durch die Krankenkasse diskutiere. Diskutieren muss. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht wenigstens ein Patient kommt und mir mitteilt, der Arzt schreibt das nicht auf. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht wenigstens eine Meldung aus der Landschaft der Berufspolitik bekomme.

Das mag alles dazuzugehören, doch macht es die Dinge wirklich besser?

Und wo bleibt dann der ruhige Geist und das Feld, diese Methode in ihren Tiefen auch wirken zu lassen?

Meine derzeitigen Gedanken zu diesem Thema versuche ich in diesem Beitrag verständlich und offen darzulegen. Mein Ziel dabei ist es, Aufklärung zu betreiben. Unsicherheiten auszuräumen und die wertvolle Zeit in der Praxis damit freizuhalten für die Beschäftigung mit der Sache an sich.

Es geht mir nicht um Polarisierungen, strenge Meinungsbilder oder Pachtverträge für Allgemeingültigkeit.

Nein, es geht mir einzig und allein darum, dass jeder, der die Wirkung der Osteopathie erfahren möchte oder vielleicht schon erfahren hat, sich die Erlaubnis gibt, eine eigene Meinung zu bilden und auch zu behalten.

Wo gibt es Reibungspunkte?

Osteopathie schwappte so ungefähr in den 80igern aus Westeuropa nach Deutschland. Seitdem erlebt diese Methode einen unglaublichen Aufschwung. Einzig und allein mit der Wirksamkeit zu erklären. Die Nachfrage steigt und steigt, mehr und mehr freie Institute für die Ausbildung entstehen. Immer mehr Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten entschließen sich zur Wissensvertiefung in diesem Bereich. Boom schlechthin. Wahnsinn und ich würde diese Ausbildung, wenn auch lang und anstrengend, immer wieder machen. Dennoch ist der Beruf Osteopathie gesetzlich nach wie vor nicht anerkannt und die Ausbildung damit natürlich staatlich nicht geregelt.  Ob das nun gut oder schlecht ist, dazu später.

Seit Anfang 2012, federführend war die Techniker Krankenkasse, gab es ziemlich plötzlich Kostenübernahmezusagen. Klar definiert in Zeit und Preis. Meistens 6x im Jahr mit maximal 60 Euro Erstattung. Erst einmal schön,  dass Gelder für diese Methode frei gemacht worden. Danke auch für die unglaubliche Publicity, die die Werbekampagnen der Krankenkasse damit der Osteopathie einbrachte. Doch was dann zu in der Praxis zu beobachten war, war irgendwie klar vorhersehbar.

Abholmentalität und Preisvergleich bestimmten den Alltag in den osteopathischen Praxen. Nicht nur in meiner. Nicht etwa die Person, der Lebenslauf, der Praxisschwerpunkt schien entscheidend, sondern der Preis. Kann das echte Heilung bringen? Ich persönlich finde nicht unbedingt. Viele Empfehlungen durch Ärzte wurden ausgesprochen. Toll. Danke dafür, nur in einem Miteinander kann Heilung funktionieren.

Aber leider eben auch viele Verweigerungen. Und das habe ich nur zum Teil verstanden. Zunächst. Bis ich mal näher darüber nachgedacht habe und letztendlich der Arzt für etwas haftbar gemacht werden kann, was er in Gänze irgendwie vielleicht doch nicht so richtig kennt. Und ich finde es völlig in Ordnung, dass nicht jeder Anbieter auf dem Gesundheitsmarkt automatisch sämtliche Wirkspektren aller Methoden kennt. Und wie sehr kann man von jemandem dann verlangen, die Verantwortung dafür zu übernehmen?

Doch wie sinnvoll ist es dann, dass Patienten abhängig sind, von einem Schein, welcher ausgestellt werden muss von jemand – der die Methode vielleicht einfach nicht kennt? Gar nicht sinnvoll. Denn damit wird gebremst, gelenkt und der wichtigste Aspekt in einer osteopathischen Behandlung verschwindet damit auf Nimmerwiedersehen  – die EIGENVERANTWORTUNG des Patienten.

Und wir kommen einfach nicht drumherum. Wir müssen für uns selbst denken und handeln. Die Freiheit, die wir uns immer wünschen, dürfen und müssen wir auch im Bereich unserer eigenen Gesundheit voll ausleben.

Wie sinnvoll es ist eigentlich, dass eine übergeordnete Institution, in diesem Fall Krankenkassen, bestimmen, wie oft, wie lange und für welchen Preis eine Sitzung stattzufinden hat?

Aus meiner Sicht überhaupt gar nicht sinnvoll. Wie kann ich vernünftige Therapie anbieten, wenn mir vorgeschrieben wird, wie lange das zu dauern hat und wie oft ich denjenigen in die Praxis bestellen darf? Schön also, wenn es Dinge gibt wie einen Gesundheitstopf, wo das Geld gewissermaßen variabel eingesetzt wird.

Und welche Kriterien werden benutzt, um zu prüfen, welcher Therapeut eine erstattbare Leistung abgibt? Verschiedenste Ausbildungen wurden tatsächlich anerkannt und das Merkmal in einem Berufsverband gemeldet oder dem Beitritt in einen solchen befähigt reichte, um die Kostenübernahme zu sichern. Logisch natürlich das dann auf einmal die Gründung von Berufsverbänden sprunghaft ansteigen muss. Mittlerweile wohl was bei über 30.   Von ein paar hundert Stunden bis weit über 1000 Ausbildungsstunden, war alles in Ordnung zur Kostenübernahme. Von Qualitätssicherung kann hier keine Rede sein, weil es einfach keine vernünftigen Kriterien gibt.

Nun mittlereile gibt es, wie nicht anders zu erwarten, extreme Kürzungen der osteopathischen Leistungen. Und nicht nur das, sondern es wird auch noch durch einige gesetzliche Krankenkassen bestimmt, bei welchem Therapeuten die Sitzungen durchgeführt werden dürfen. Und das sind dann leider nicht immer die mit den meisten Ausbildungsstunden.

Und ab hier wird es aus meiner Sicht für Dich als Nutzer total schwer, den richtigen Therapeuten zu finden und für mich als Behandler nicht politisch aber inhaltlich unlogisch.

Ich zum Beispiel kann immer erst nach einer ersten Sitzung einen groben Behandlungsplan abgeben. Eine grobe Prognose abgeben. Ob wir uns eher schnell wiedersehen. Ob wir uns überhaupt wiedersehen, was eben neben Osteopathie zu Hause noch passieren muss, damit wir letztendlich weiterkommen. Es wird nicht unbedingt schneller gehen mit der Heilung, wenn wir schnell die Höchstbezahlte Menge an  Sitzungen abrattern.

Alternative Heilung braucht Zeit, Geduld und den absoluten Willen mitzuwirken. In ideeller und auch in finanzieller Hinsicht.

Wie schon im Wort enthalten, kann also eine alternative Heilmethode und dazu gehört die Osteopathie nun mal, nicht in einem Schema F Verfahren durchgeführt werden. Dann wären wir wieder beim Prinzip Physiotherapie und ich hoffe einfach, dass es gelingt, diese 2 wundervollen Methoden klar voneinander getrennt zu halten.

Noch mal zur Erinnerung. Physiotherapie ist ein eigenständiger, staatlich anerkannter Beruf und an eine Verordnung vom Arzt geknüpft. Sie ist ein in Zeit und Leistung klar definiertes Heilmittel ausgeführt im Delegationsverfahren.

Osteopathie ist eine eigenständige Heilmethode und darf per Gesetz in Deutschland nur von Heilpraktikern und Ärzten durchgeführt werden (dazu Urteil vom 8. Dezember 2008 · Az. 7 K 967/07) und die Durchführung ist NICHT an eine Verordnung geknüpft.

DANKE einfach mal hier an dieser Stelle an alle meine Patienten, Klienten, Ratsuchende und auch Kursteilnehmer in Potsdam …. denen das auch ohne meine diese Worte schon längst alles klar ist und sich unbeeindruckt von der derzeitigen Politik Ihren Weg suchen.

Wie findest Du nun ganz einfach den geeigneten osteopathisch tätigen Behandler?

Die meisten Behandler erstellen mittlerweile ein Internetprofil in welchem Du Lebenslauf, Ausbildungsgang und Mitgliedschaft in Berufsverbänden entnehmen kannst. Ein erster Ansatz. Zumindest kannst Du über dieses Profil eine Idee gewinnen, wie sehr jemand in die gewisse  Methode vertieft ist.

Doch das ist noch kein Garant. Denn es gibt namhafte Therapeuten, die verzichten einfach auf eine Darstellung im Netz.

Empfehlungen durch Nachbarn und Bekannte sind immer Gold wert also hör´ Dich doch einfach mal um.

Es gibt immer eine regionale Preisspanne. Der Behandler sollte sich irgendwie in dieser Spanne befinden. Zu niedrig sollte Dich wachsam werden lassen. Zu hoch ebenso. In Potsdam bewegen wir uns mit einer osteopathischen Sitzung zwischen 60 und 100 Euro. In anderen Städten kann das deutlich mehr sein, weniger eher nicht.

Die Sitzungsdauer bewegt sich für Erwachsene meistens zwischen 45 und 60 Minuten. Für Babys teilweise 30 Minuten.

Einteilungen der Osteopathie nach Körperteilen sollte Dich stutzig werden lassen. Also zum Beispiel Osteopathie für das Bein finde ich persönlich eine komische Formulierung, habe ich aber im Netz schon gesehen. Wenn wir Osteopathie machen – sollte immer der ganze Mensch in der Betrachtung stehen.

Auch Formulierungen ohne vorherige Untersuchung wie: „….mindestens 5 Sitzungen sind nötig“ ….sollten Dich stutzig  machen. Das kann man einfach nicht wissen als Behandler, bevor derjenige auf der Bank sitzt und untersucht wurde.

Und entscheidend ist dann sicherlich der Ablauf der ersten Sitzung. Immer wird es ein ausführliches Gespräch geben, der osteopathisch tätige Therapeut wird Dich untersuchen, verschiedene Bewegungstests durchführen und einen Behandlungsplan aufstellen. In den seltensten Fällen wirst Du in der gleichen Woche einen weiteren Termin erhalten. Eher wird der nächste Termin 3-4 Wochen später liegen. 2x Osteopathie pro Woche ist eher unüblich und nur in absoluten Einzelfällen praktikabel.

Und letztendlich ein Anruf in der Praxis wird hilfreich sein, offene Fragen zu klären.

 

Sicherlich ist dieses Thema so umfangreich und abendfüllend, dass dieser Text bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Schreibe mir gern ins Kommentarfeld, wenn irgendeine Frage nicht ausreichend beantwortet ist.

4 thoughts on “Osteopathie im Schleuderwaschgang. Wie soll man denn da als Laie noch durchsehen?

  1. Grossartig – vielen Dank für die komprimierte Darstellung vieler wichtiger Fakten und Statements! Du sprichst mir aus der Seele! Alles Gute aus Hamburg!

  2. Sonja 15.3.2017
    Ein sehr schöner Beitrag der ja noch aktualisiert werden könnte. OLG DSSD und was jetzt die Politik der Länder so veranstaltet. Nun ist es vorerst vom Tisch ,das 60 Std. Osteopathie in der PT-Ausbildung eingebracht werden sollten. Lobbyistenarbeit mit einem hohen Effekt, das muss man anerkennen. Die Einbringung der BÄK hat einzig und alleine das Ziel die PT bei Laune zu halten, denn auch hier sind Bestrebungen im Gang sich von den Ärzten/ Verordnungsverhalten zu lösen.
    Nur wird sind zu passiv und lassen geschehen was geschieht. Auf die BV braucht man nicht zu hoffen, da sind eigenen Interessen im Vordergrund ( Geld und Macht ).
    Wir haben uns einer Oppostionspartei angeschlossen die über “ Kleine Anfragen “ das Thema
    mit der amtierenden Gesundheitsministerin bearbeitet. Damit hat man es Schwarz auf Weiss wie die Stimmung ist und was vertreten wird, das kann mal nicht postiv ausgehen, wenn das Ministerium die Patientensichrheit verletzt.
    Man muss was tun und für Aufklärung zu sorgen. Da ist JEDER gefragt.

    • Hallo Sonja. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Das sehe ich absolut genauso, dass jeder jetzt gefragt ist. Aufklärung ist das A und O. – bei Gelegenheit werde ich den Beitrag ergänzen 🙂 Liebe Grüße. Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.