Was ist eigentlich der Unterschied von Osteopathie und Orthopädie?

Vielleicht hast du dich auch schon mal gefragt, ob du mit deinen Beschwerden lieber zum Orthopäden oder doch zum Osteopathen gehen sollst. So ganz pauschal lässt sich diese Frage nicht immer sofort beantworten, aber der folgende Beitrag soll zumindest ganz klar den Unterschied zwischen Osteopathie und Orthopädie darlegen.

Die Orthopädie

Die Orthopädie ist ein Fachbereich der Schulmedizin. Das heißt, zunächst absolviert ein Orthopäde ein Medizinstudium. In Deutschland findet dies an einer staatlichen Hochschule statt. Dies dauert in der Regel 6 Jahre. Danach beginnt die ebenfalls nochmals 6 Jahre dauernde Facharztausbildung. Seit 2005 sind die Fachbereiche Orthopädie und Unfallchirurgie zusammengelegt. Orthopäden praktizieren in der Regel in eigener Praxis oder im Krankenhaus. Die Behandlungen werden von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern weitestgehend übernommen.

Zur ersten begrifflichen Prägung kam es bereits 1741 durch einen Kinderarzt. Bereits von Anfang an ging es um die Haltung des Körpers. Insbesondere Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates stehen im Mittelpunkt. Hierzu zählen also das Skelett mit sämtlichen Knochen und deren verbindender Gelenke. Alle Muskeln, mit ihren Sehnen, welche zur Befestigung am Knochen dienen. Nicht zu vergessen sind natürlich alle Bänder. Diese stabilisieren die Gelenke. Am bekanntesten sind hierbei die Sprunggelenks- und Kniegelenksbänder, welche häufig bei Sportunfällen Verletzungen erhalten.

Zur Diagnose nutzt der Orthopäde die Bewegungsprüfung von Körper und Gelenken. Ergibt die manuelle Untersuchung keinen ausreichenden Hinweis, wird die Diagnose gestützt durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie oder auch Computertomografie. Außerdem führt er Sonografien oder zum Beispiel Knochendichtemessungen durch.

Typische Behandlungsfelder sind zum Beispiel der Riss einer Achillessehne, der kindliche Klumpfuß, Schmerzen am Bewegungsapparat, Behandlungen von Skoliosen, Arthrosen, also der Gelenkverschleiß und vieles mehr.

Grundsätzlich wird dann, je nach Diagnose, eine symptomatische Therapie erfolgen. Das heißt, schmerzt die Schulter, wird in der Regel auch die Schulter behandelt. Therapieformen gibt es hierbei eine ganze Menge. Oft kommen Medikamente zum Einsatz. Entweder in Form einer Spritze, Tablette oder auch Infusionen. Ein weiteres weites Feld sind die Operationen. Auch hier stehen verschiedene Maßnahmen bereit. Zum Beispiel gibt es den Gelenkersatz. Sehr häufig wird diese Operation im Bereich der Hüfte angewendet. Aber auch kleinere Eingriffe wie Punktionen oder Arthroskopien finden zahlreich Anwendung um nur einige Beispiele zu nennen.

Unterstützend werden Maßnahmen der physikalischen Therapie angewendet. Elektrotherapie, früher ein weites Feld der Physiotherapie, praktiziert heute oft der Arzt gleich in der Praxis selbst. Teilweise werden kleine Stromgeräte für zu Hause verordnet. Ein weiteres großes Feld nimmt die Verordnung von Physiotherapie ein. Sämtliche Anwendungen, wie zum Beispiel Manuelle Therapie, Krankengymnastik am Gerät oder auch Ultraschall und Fango können vom Orthopäden verordnet werden.

 

Und nun im Vergleich dazu die Osteopathie:

Die Osteopathie ist eine alternative Heilmethode. In Deutschland ist sie an freien Instituten erlernbar. Mittlerweile gibt es in Deutschland sage und schreibe 94 Standorte (Quelle: Osteokompass), an denen man sich osteopathisch ausbilden lassen kann. Eine einheitliche, gar staatliche Regelung über diese Ausbildung existiert leider nicht. In der Regel dauert diese Weiterbildung nebenberuflich 5 Jahre. Noch selten, jedoch auch als Vollzeitstudium ist die Ausbildung schon an 3 Standorten in Deutschland möglich. In der Regel wird der recht umfangreiche Ausbildungsgang von Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Ärzten als Weiterbildungsmaßnahme besucht. Die Methode wurde 1874 erstmals öffentlich durch ihren Begründer A.T. Still erwähnt.

Da die Ausübung der Heilkunde zugeordnet wird, muss die Erlaubnis zur Ausübung derselben vorliegen. Das heißt, die Ausübung ist derzeit Heilpraktikern und Ärzten per Gesetz vorbehalten. Derzeit wird in Deutschland ein weiteres Nischenmodell praktiziert. Die Ausübung im Delegationsverfahren, welche jedoch nach wie vor heiß diskutiert ist. Stimmungsmache auf Seiten der Ärzteverbände sowie Kostenkontrolle durch Krankenkassen enthebeln aus meiner Sicht den eigentlichen eigenständigen Wert der Methode. Schon seit Jahren sind Bemühungen im Gang, den Beruf als allein für sich stehend anerkennen zu lassen. Andere Initiativen würden diesen Beruf gern in ihre Berufssparte integrieren.

Kurzum – dieser Beruf ist im Moment viel diskutiert.

Gott sei Dank sind viele Osteopathen einfach nur idealistisch geprägt und praktizieren unbeeindruckt der Politik, gemäß den Leitlinien des Begründers Andrew Taylor Still. Er war der festen Annahme, dass unserem Körper weder etwas hinzugefügt noch etwas entnommen werden muss, um Heilung zu erlangen. Das heißt, die Osteopathie in ihrer Reinform arbeitet komplett ohne Einsatz von Medikamenten, Spritzen oder ähnlichem. Als Arbeitsmittel stehen uns Osteopathen uns unsere Hände, unsere Sinne und unsere Behandlungsbank zur Verfügung. Im Normalfall arbeitet der Osteoapth in eigener Praxis oder in einer Praxisgemeinschaft.

Für einen Besuch beim Osteopathen entscheidet man sich selbst. Motivation hierzu können sämtliche Abweichungen vom normal funktionierenden Körpergeschehen sein. Das Altersspektrum reicht vom Neugeborenen bis zum Rentner.

Eine übliche Sitzung beginnt mit einer Anamnese. Das heißt ein Vorgespräch, in welchem alle Fakten zusammengetragen werden, die das gesundheitliche Geschehen beeinflusst haben könnten. Hier geht es also um Vorerkrankungen, Verletzungen, Unfälle, Operationen, einschneidende Lebensereignisse und auch psychische Erkrankungen. Osteopathen sind also grundsätzlich an jedem Hinweis interessiert und auch darauf angewiesen.

Danach erfolgt eine sehr genaue körperliche Untersuchung. Mit allen Sinnen versucht der Osteopath herauszufinden, warum es genau dieses Symptom gibt.

Allgemein geht es darum, Spannungsfelder, Blockaden oder Funktionseinschränkungen zu finden. Diese Blockaden können sich in allen Körper- oder Organsystemen befinden. Das heißt im Knochensystem, in Gelenken, in Muskeln, in Bauchorganen, in Sinnesorganen, in Blutgefäßen, im Bindegewebe, im Nervengewebe. Jeder Teil des Menschen kann eine Blockade erfahren – die Aufgabe des Osteopathen ist es, herauszufinden, wo die Ursprungsblockade ist. Meistens hat sich im Laufe der Jahre ein ganzer Rattenschwanz an weiteren Symptomen hinzugebildet. Ursache-Folgekette nennen wir das. So wirkt es für manche etwas wunderlich, wenn man mit einem Schulterproblem zum Osteopathen geht und er erst einmal die Füße beginnt zu untersuchen. Doch darin liegt einzig und allein das Wesen begründet. Es geht darum die verursachenden Faktoren ausfindig zu machen und dafür muss alles angeschaut und durchgetestet werden.

Und dann stellt der Osteopath eine These auf. Eine Behandlungsthese. Anhand dieser wird der Behandlungsplan erstellt. Dieser bezieht in den meisten Fällen eine Behandlung in der Praxis mit ein. Dazu kommen meistens verschiedene Aufgaben für zu Hause. Das können spezielle Sportübungen sein, Ernährungsempfehlungen, manchmal wird schlicht und ergreifend nur Ruhe verordnet.

In einigen Fällen jedoch – wird der Osteopath klar an Grenzen stoßen und sie weiterverweisen müssen. In die Rettungsstelle oder zur Abklärung an einen Facharzt.

Behandlungsplan und Hausaufgaben erfolgen NIE nach Schema F. Jeder Fall – ist tatsächlich ein Einzelfall und wird individuell betrachtet. Schulterschmerzen bei dem Einen können ganz andere Ursachen haben als beim Nächsten.

Osteopathen betreiben also individuelle Ursachenforschung. Ich sage immer etwas scherzhaft Menschensudoku. Am Ende ist alles wieder stimmig. Genau wie bei den kleinen Zahlenreihen. Und es wird gesucht, bis es stimmig ist.

Eine Sitzung dauert in der Regel 45 – 60 Minuten. Nach einiger Zeit, meist 2-4 Wochen erfolgt eine Folgesitzung, in der man schaut, was sich seit der ersten Behandlung verändert hat. Der Behandlungsplan wird dann entweder fortgeführt oder angepasst.

Diese kleine Abhandlung stellt jeweils die klassische Linie der Berufe dar. Durchmischung und damit Abweichung ist ein natürlicher Prozess. Viele Wege führen nach Rom und so verschieden die beiden Ansätze sind, umso besser ist es, wenn sich beide ergänzen.

Habe ich all deine Fragen bezüglich des Unterschiedes von Orthopädie und Osteopathie hinreichend beantworten können? Wenn nicht – benutze das Kontaktformular unterhalb vom Text, um mir deine Frage zu stellen.

Interessiert Dich auch der Unterschied von Physiotherapie und Orthopädie? Dann lies´ doch hier gleich weiter.

3 thoughts on “Was ist eigentlich der Unterschied von Osteopathie und Orthopädie?

  1. Danke schön für euren tollen Artikel.

    Ich stöbere bereits seit Längerem auf eurem informativen Weblog.

    Und gerade musste mich mal zu Wort melden und „Danke“
    sagen.

    Macht genauso weiter, freue mich schon auf den nächsten Beitrag

  2. Pingback: Dauernde Benommenheit

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