Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Osteopathie und Physiotherapie?

Hand in Hand.

Hand in Hand.

Oft werde ich gefragt, wo der Unterschied zwischen Osteopathie und Physiotherapie liegt. Denn scheinbar ähneln sich die beiden Angebote. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich mehrere grundlegende Unterschiede.

Die Ausbildung und Berufsanerkennung in Deutschland

Die Ausbildung der Physiotherapeuten ist in Deutschland klar geregelt. 3 Jahre mit insgesamt 2900 Stunden müssen absolviert werden. Dies ist verankert im letztmalig 1994 aktualisierten Masseur- und Physiotherapeutengesetz.
Danach erfolgt eine staatliche, mündliche, schriftliche und praktische Prüfung mit sogenannter staatlicher Anerkennung. Die Ausbildungen finden an Schulen statt. Verschiedene und ebenso klar definierte Praktikumseinsätze in den verschiedenen Fachgebieten der Medizin müssen durchlaufen werden.

Unterrichtet werden in der Grundausbildung Anatomie, Physiologie, spezielle Krankheitslehre, krankengymnastische Techniken, Bewegungslehre, Grundlagen der Psychologie, Neurologie, Orthopädie, Berufs- Gesetzes- und Staatskunde, angewandte Physik und Biomechanik, Elektrotherapie, Hydrotherapie sowie Trainingslehre.

Habe ich was vergessen – dann berichtigt mich gern im Kommentarfeld unten.

Was doch ziemlich deutlich wird ist, das es eine Menge Stoff in ziemlich wenig Zeit ist. So vertiefen und spezialisieren sich die meisten Physiotherapeuten und absolvieren nach der Ausbildung spezielle Fortbildungen wie Manuelle Therapie, Bobath oder die Lymphdrainage. Um nur ein paar klassische Beispiele zu nennen.

Die Ausbildung der Osteopathie hingegen findet ausschließlich an freien Instituten statt. Demnach ist die Ausbildung leider nach wie vor nicht staatlich geregelt und die Anzahl der zu absolvierenden Stunden schwankt doch erheblich. Als ideal sehen wir Osteopathen die 4-5-jährige nebenberufliche Ausbildung an. Hierbei müssen in der Regel 1350 Unterrichtsstunden absolivert werden. Der unglaubliche Boom, den diese Methode seit einiger Zeit erfährt ist es aus meiner Sicht geschuldet, dass es sehr viele verkürzte Ausbildungen gibt.

Ausbildungsinhalte sind hier im wesentlichen Unterricht in parietaler Osteopathie (kurzgesagt Knochen, Muskeln, Gelenke), viszeraler Osteopathie (Organe) sowie craniosakraler Osteopathie (Schädelknochen in Verbindung zum Becken und dem eigenständigen craniosakralen Rhythmus, der uns allen innewohnt). Anatomie, Anatomie, Anatomie. Ja – ganz bewusst schreibe ich das Wort drei Mal, denn die meiste Zeit verbringt man mit dem intensiven studieren von Anatomiebüchern, Skelett und Co. Weiterhin geht es um Differentialdiagose, Pathologie, und vor allem das Erstellen der Zusammenhänge zwischen den zuvor genannten Körpersystemen den sogenannten Ursache-Folgeketten.

Am Ende der Ausbildung wird ebenfalls eine mündliche, schriftliche sowie praktische Prüfung fällig und fakultativ darf eine Diplomarbeit angefertigt werden.

Worin liegt nun der Unterschied zwischen Osteopathie und Physiotherapie im Praxisalltag?

 

Grundlegend erfolgt Physiotherapie auf Verordnung des Arztes und ist damit ein Teil der Schulmedizin. Verfolgt wird ein symptomatischer Ansatz, das heißt, wenn der Nacken schmerzt erfolgt eine Behandlung des Nackens. Dazu wird eine geeignete Methode ausgewählt, welche einerseits aktive krankengymnastische Maßnahmen sein können aber auch passive manuelle Techniken sowie Wärme- und Kälteanwendungen oder Elektrotherapie sind möglich.

Das Spektrum der physiotherapeutischen Maßnahmen ist gigantisch.

Ein zu erfolgender Intervall von meist 1-2 pro Woche wird durch den Arzt für den Therapeut verbindlich festgelegt.

Die Therapiezeit ist durch die gesetzlichen Krankenkassen streng vorgegeben. Meist bewegt sich die Therapiezeit zwischen 15-20 Minuten inklusive An- und Ausziehen, Termine machen und Behandlung. Es gibt leider in diesem System aus meiner Sicht wenig individuellen Spielraum. Der Physiotherapeut rechnet die Leistung direkt mit der gesetzlichen Krankenkasse ab. Bei privater Versicherung muss der Patient die Rechnung an den Therapeut bezahlen um sich dann die erstattungsfähigen Beträge zurückzuholen.

Zum Osteopathen und damit zu einer Methode der alternativen Medizin, geht man aus freien Stücken. Dieses Verfahren wird nicht verordnet. Jeder praktizierende Osteopath kann die Therapiezeit und die damit verbundenen Kosten frei wählen. Und das ist der Punkt, welcher mich am meisten glücklich macht. Zeit ist einfach ein gigantischer Doktor und ich bin wirklich froh, dass ich mir für jeden Fall eine ganze Stunde Zeit nehmen kann. Das gibt mir sehr viel Freiheit, welche ich einfach brauche, um in Ruhe denken zu können und in meiner Kraft zu bleiben.

Der Osteopath arbeitet ausschließlich manuell – das heißt – mit seinen Händen.

Auf dem Markt kommt es doch zu recht beachtlichen Preisspannen. In Potsdam bewegt sich der Preis glaube ich gerade zwischen 60 – 100 Euro für ca. 45 – 60 Minuten.

Die Osteopathie ist ein ganzheitliches Konzept welches versucht, die Ursache für die bestehenden Symptome zu suchen und natürlich im Idealfall auch zu finden.

Das Fazit

Ich habe hier in diesem Bericht das grundlegende Wesen der beiden Methoden beschrieben. Natürlich kommt es zu Vermischung und natürlich behandelt ein Osteopath manchmal auch symptomatisch und ein Physiotherapeut auch ganzheitlich. In keinster Weise möchte ich sowohl dem Einen als auch dem Anderen zu nahe treten und eine Wertung über die persönliche Arbeit abgeben. Heilkunde ist immer sehr individuell geprägt und setzt sich aus vielen Faktoren zusammen.

Vielmehr ist es mein Wunsch, mit diesem Beitrag ein wenig Übersicht über die derzeit bestehenden Methoden am Markt zu geben.

Aus meiner Sicht ergänzen sich diese beiden Methoden grandios. Ich möchte mein in der Physiotherapie erworbenes Wissen auf keinen Fall missen, denn oft hilft es mir, die Bewegungabläufe am Mensch zu verstehen. Doch erst die Osteopathie hat mich gelehrt zu den Ursachen dafür durchzudringen. Und auch die Osteopathie war es, welche mir letztendlich die Werkzeuge an die Hand gegeben hat, zu diesen Ursachen vorzudringen. In der Praxis beobachte ich sehr oft, dass eine gleichzeitige sich ergänzende Behandlung wirklich schnelle und gute Erfolge bringt.

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.

Was meinst Du dazu? Welche Erfahrungen hast Du sowohl mit der einen als auch mit der anderen Methode gemacht?

16 thoughts on “Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Osteopathie und Physiotherapie?

  1. Gibt es auch Leute, die beides sind, Physiotheprapeuten und Osteopathen?
    Ich habe von meinem Orthopäden eine Rezept für Physiotherapie/Krankengymnastik bekommen, damit bin ich in eine Praxis für Physiotherapie gegangen. Der behandelnde Arzt ist aber auf der Internetseite als Osteopath mit Zulassung als Heilpraktiker bezeichnet – ist er damit dann *kein* Physiotherapeut?

    • Hallo Flo. Das ist eine sehr guteFrage von Dir. (ich nehme mal an, Du hast Dich verschrieben im Text). Es gibt viele Leute, die Physiotherapeuten sind und gleichzeitig Osteopath. Da die Osteopathie in Deutschland als eigenständiger Beruf nicht anerkannt ist, erwerben die meisten Osteopathen noch die Heilerlaubnis und sind somit Heilpraktiker. Wenn Du mit einem Physiorezept in eine Physiotherapiepraxis gehst, dann behandelt dich diese Person als Physio. Auch wenn er gleichzeitig Heilpraktiker ist. Streng genommen muss klar getrennt sein, zu welchen Zeiten das bzw. das andere praktiziert wird. Früher oder später sind die meisten Osteopathen dann nur noch als Heilpraktiker tätig. Ist Deine Frage ausreichend beantwortet? Lg Sandra

    • Hallo Flo. Das ist eine sehr guteFrage von Dir. (ich nehme mal an, Du hast Dich verschrieben im Text). Es gibt viele Leute, die Physiotherapeuten sind und gleichzeitig Osteopath. Da die Osteopathie in Deutschland als eigenständiger Beruf nicht anerkannt ist, erwerben die meisten Osteopathen noch die Heilerlaubnis und sind somit Heilpraktiker. Wenn Du mit einem Physiorezept in eine Physiotherapiepraxis gehst, dann behandelt dich diese Person als Physio. Auch wenn er gleichzeitig Heilpraktiker ist. Streng genommen muss klar getrennt sein, zu welchen Zeiten das

  2. Hi Sandra,
    ich stehe momentan vor der Entscheidung, was ich jetzt nach meinem Fachabi mache.
    Eigentlich weiß ich schon, dass ich Osteopathin werden möchte, aber irgendwie weiß ich nicht welcher Weg der bessere ist.
    Wie ich schon rausgelesen habe bist du auch Physio. Würdest du es also empfehlen erst eine Ausbildung zur Physio zu machen und dann Osteo ?
    Oder würdest du zu einem Studium/Schule tendieren? Falls ja – bitte Empfehlungen 🙂

    • Hallo Christina. Das ist auf keinen Fall eine leichte Entscheidung. Ich persönlich möchte die Physioausbildung und die paar Jahre, die ich in diesem Beruf klassisch gearbeitet habe, nicht missen. Ich habe mich in dieser Zeit unglaublich viel mit normalen Bewegungen beschäftigt – das wurde in unserer Osteoausbildung nicht vermittelt. Um Zeit und Geld zu sparen gehst Du den direkten Weg. Erfahrungen wirst Du in jedem Beruf im Laufe der Zeit sammeln. Wenn ich Du wäre, würde ich so viele wie möglich Infotage in den Ausbildungsinstituten nutzen. Würde mich mal interessieren, wie und warum Du Dich dann für das eine oder das andere entschieden hast. Viel Erfolg. Lg Sandra

  3. Und was wenn ein „staatlich anerkannter“ PHYSIOTHERAPEUT eine OSTEOPATHISCHE Behandlung macht?
    Dann müsste die wiederum SEHRWOHL von den Kassen (ALLEN!) übernommen werden, würde ich mal sagen!
    Denn bei meiner Erkrankung, wird die Osteopathie als DIE RICHTIGE BEHANDLUNG empfohlen.
    Bekam, beispielsweise ein andere Physio-Behandlung, die mir dann 4 Tage KRANKENHAUS bescherte!

    Was soll der (Entschuldigung:) Schwachfug, dass bei physiotherapeutischen Behandlungen, noch so ne Krämerei gemacht wird!!

    • Hallo Sabina. Danke für deinen Kommentar, das klingt ein wenig nach Ärger. Das tut mir leid. Physiotherapie und Osteopathie sind aus meiner Sicht zwei völlig verschiedene Berufe. Eigentlich sollte der staatlich anerkannte Physiotherapeut also auch das anbieten – für was er staatlich anerkannt ist. Ansonsten kann er ja Osteopath sein – und eigenverantwortlich Osteopathie anbieten. Diese wird zumindest zum Teil von einigen Krankenkassen übernommen. Was genau meinst du mit Krämerei? Schreib gern nochmal genauer deine Frage. Liebe Grüße und vor allem alles Gute für Dich. Sandra

  4. Wow, Danke für die hilfreichen Infos!
    Ich suche gerade auch nach der besten Lösung …
    Habe einen Hochschulabschluss in den Geisteswissenschaften und somit keine Vorkenntnisse, bin also gezwungen den Heilpraktiker zu machen. Meine Ahnung bestätigt sich hier nur, dass niemand so wirklich durchblickt was Sinn macht und was die Schulen taugen ;- )
    Es bleibt wohl der Sprung ins Unbekannte.

    • Hallo Viktor.
      Was wäre denn eine gute Lösung für Dich? Welchen weiteren Beruf strebst Du denn an? Physio oder Osteo? Oder ging es Dir nur um die Heilerlaubnis? Stell´ gern Deine Frage konkreter – dann könnnen wir schauen, was Dir helfen könnte. Die einzelnen Schulen taugen eine Menge – nur muss man eben wissen, wann man welche besucht 🙂 ….ein Sprung ins Unbekannte kann ja sehr erweiternd sein – dennoch – möglicherweise kann man Dir noch einige Fragen beantworten. Lg Sandra

      • Ich möchte eine Ausbildung zum Osteopathen in Leipzig machen. Bis jetzt habe ich die Paracelsus-Schule im Blick. Habe mir vonseiten einer Osteopathin sagen lassen, sie könne sich nicht vorstellen wie die die Ausbildung in 30 Monaten anbieten wollen. Eine Freundin hat von einem ehem. Mitbewohner erzählt, der seinen Heilpraktiker dort machen wollte und nicht so begeistert war.

        • Hallo Viktor. Es ist auf alle Fälle eine gute Entscheidung, die Ausbildung zum Osteopathen machen zu wollen. Ein herzerfüllender Beruf mit Zukunft 🙂 Paracelsus kombiniert HP und Osteo. Das ist sicherlich eine gute Idee und vermutlich der Grund, warum Du dorthin möchtest. Oder? Brauchst du den HP oder bist Du schon Arzt oder HP? In Deutschland braucht es die Heilerlaubnis, welche Du automatisch über die beiden Berufe erlangst. Auch ich bin stutzig über die geringe Stundenzahl für Osteopathie bei Paracelsus geworden. Im Vergleich kann ich Dir für Leipzig absolut die IFAO in Leipzig Lobstädt empfehlen. Ein reines Osteopathieinstitut, wo auch ich gelernt habe. Human, humorvoll, – für mich hat es total gepasst. Einen Tag der offenen Tür oder ein Infogespräch solltest Du Dir auf alle Fälle genehmigen. Hier dauert die Ausbildung zwar 5 Jahre – aber genau nach diesen hätte ich gern nochmal 3 angehangen, denn erst dann schließt sich so richtig der Kreis. Das Weiterlernen wird bleiben. Osteopathie ist ein Lebenswerk und ehrlich gesagt – unter 4 Augen und dann doch öffentlich – gruseln mich die derzeitigen Schnellbesohlungskurse. Osteopathie in seiner Ganzheit lässt sich nicht runterbrechen. Tut mir leid, dass ich keine bessere Nachricht habe 😉 – Lass mal bei Gelegenheit wissen, wie Du Dich entscheidest. Ist bestimmt auch für andere Leser interessant. Liebe Grüße und meld´ Dich gern, wenn Du noch mehr wissen möchtest. Lg Sandra

          • Hallo Sandra,
            richtig, die Kombination von HP und OS in Vollzeit haben mich angesprochen, und auch die kurze Dauer der Ausbildung.
            Als Voraussetzung steht auf der Internetseite der IFAO …. Heilpraktiker, Arzt, Physiotherapeut … ich verstehe das so, dass ich medizinische Vorerfahrung brauche und damit ausgeschlossen bin, leider.

  5. Update:
    Wie es aussieht, ist es bei der IFAO möglich mit dem Heilpraktiker im Herbst zu beginnen, und wenn das gut läuft, im nächsten Herbst in die Osteopathie einzusteigen. Werd mir mal beide Schulen, also die IFAO und die Paracelus-Schule mal ansehen im August und mich dann entscheiden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.