#GedankenzurKrise1: Dürfen Senioren jetzt nicht mehr raus?

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Zur Zeit gehen mir viele Dinge durch den Kopf. Vielleicht ergibt sich eine Gedankenserie – ich habe zumindest den heutigen Beitrag mal als Teil 1 gekennzeichnet. In diesem Blogpost, also in Teil 1 möchte ich ein paar meiner Gedanken zur genannten Überschrift teilen. Dürfen Senioren jetzt nicht mehr raus?

In den letzten Tagen habe ich in den sozialen Medien – also vor allem auf Facebook – immer wieder Beiträge und Kommentare gelesen, wo man sich über die vielen Senioren ereifert, welche sich in den Supermärkten oder auf den Straßen aufhalten. Und ja – ganz ehrlich – auch ich habe mich ertappt, wie ich argwöhnisch ältere Menschen beäugt habe und ihnen innerlich einen Vortrag gehalten habe, dass sie sich doch bitte schnell wieder nach Hause begeben sollen.

Wie vermessen von mir…

Vielleicht waren sie ja gerade auf dem nach-Hause-Weg? Und vielleicht war das ja das schnellste, was sie gehen können?

Und eigentlich steht mir das überhaupt nicht zu. Anderen zu sagen – was sie zu tun und zu lassen haben. Ja – es gibt die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Ältere werden mit einem höheren Risiko eingestuft, was die Ansteckung mit dem neuen Coronavirus angeht. Ab 50 Jahre stetig steigend.

Ab 50!

Das sind also bei Weitem nicht nur die bemeckerten Senioren.

…und dann kamen auf einmal noch andere Gedanken in mir hoch. Ich erinnerte mich an eine sehr betagte Patientin, welche ich vor Jahren in einer Praxis behandelte, welche öfters mal schließen musste, weil es Bombenentschärfungen gab. Flüsternd gestand sie mir, dass sie auf gar keinen Fall ihre Wohnung für die Evakuierung verlassen werde. Sie werde alles dunkel machen und den Fernseher ganz ganz leise. Klang nach einem ausgereiften Plan. Diese Frau, weit jenseits der 80 hatte für sich beschlossen, jedes persönliche Risiko in Kauf zu nehmen. Wie sie es letztendlich gemacht hat – weiß ich nicht. Ob damals die Wohnungen kontrolliert wurden – weiß ich auch nicht. Ich denke, dass die Ämter über Listen sehr genau wissen, wer noch drin ist – oder wer schon raus ist. Aber egal – darum soll es gerade nicht gehen.

Es geht um die Eigenermächtigung.

Jeder – also auch jeder aus den besagten Risikogruppen hat bei aller vorausgesagter Schwere einer möglichen Erkrankung das Recht, zu entscheiden, wie oft er sich dem Risiko einer möglichen Ansteckung aussetzt.

Das moralische Problem beginnt eigentlich erst ab dem Moment der Ansteckung. Ab da – geht es nicht mehr nur um den eigenen Körper, Leib und Leben – sondern eben um das von allen Mitmenschen.

Zwischen diesen beiden Umständen besteht zumindest für mich ein Unterschied.

…und ist es nicht so – dass letztendlich niemand von uns weiß, ob er bereits Überträger ist? Unterliegen wir also nicht alle dem gleichen Problem? Jung wie alt? Warum werden denn dann gehäuft die Älteren – na was denn jetzt eigentlich? Stigmatisiert?  Kritisch beäugt?

Korrigiert mich gern, wenn ich falsch liege.

Niemand kann im Moment sagen, wie lange wir mit Einschränkungen leben werden müssen. Wir können aber mit Sicherheit sagen – wir müssen einen Umgang mit dem Coronavirus finden. Und dazu gehört, dass auch Ältere – und ja – auch Risikopatienten ihre Wohnung verlassen müssen. Zum Beispiel zum Einkaufen. Oder um sich Medikamente zu holen …. oder – um genau wie Du und ich – sich einfach mal die frische Luft um die Nase wehen zu lassen. Um mal anderen in die Augen zu schauen – um einfach zumindest ein Stück weit am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Ich kann das verstehen. Und ich finde – Sonne und Sauerstoff tut allen gut. Die beste Prävention, die jemand betreiben kann ist – Bewegung, Atmen, Sonnenlicht und frische Luft.

Warum gestatten wir das nicht einfach allen?  …. auch den sogenannten Risikogruppen.

Gemeinschaftlich könnte es funktionieren – zum Beispiel – indem wir uns wirklich an die empfohlene Abstandsempfehlung halten.

Wie handhabe ich das?

Treffe ich auf jemandem, wo ich vermuten muss – dass er zur Risikogruppe gehört – gehe ich einfach noch viel bewusster die besagten 1,5 – 2 Meter bei Seite.

Und dann, häufiger als je zuvor – versuche ich Blickkontakt mit den Menschen herzustellen und sie anzulächeln. Wenn es sich ergibt starte ich einen Minismalltalk. Mit dem Wissen, dass dies was in der Körperphysiologie von Menschen macht. Lächeln und Reden entspannt, nimmt die Angst und die Unsicherheit.

Wenn ich irgendwas sagen dürfte … dann …. mache ich es kurz und empfehle:

…lächelt und redet mit Euren Mitmenschen.

 

Danke, dass Ihr bis hierhin wieder mitgedacht habt!

Herzlichst

Sandra Hintringer

 

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