Menu
Kategorien
Über Osteopathie und was das Ganze mit Esoterik zu tun hat
August 27, 2020 #Gedanken
Reading Time: 7 minutes

Schon lange beschäftigen mich Gedanken wie: Ist Osteopathie esoterisch? Was ist überhaupt Esoterik? Ist alles was im Maß der öffentlichen Meinung nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist, automatisch esoterisch? Weil inhaltlich nicht greifbar?

Und zählt die Frage nach einer Gefühlslage oder der persönlichen Wahrnehmung schon als Esoterik?

Längst fühlte ich mich unangesprochen angesprochen, als folgende Definition von Osteopathie zu mir kam: „Aah, Osteopathie. Das ist doch eine erweiterte Physiotherapie nur mit esoterischem Umbau“.

Ach herrje. Recht pauschal beziffert, wie ich finde.

Mir schwante, das solch´ ein Blogbeitrag ein Fass ohne Boden und auch ein heißes Eisen ist. Denn ich bezeichne mich weder als esoterisch, noch als spirituell, so gesehen habe ich keine Ahnung von All dem Ganzen. Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb wollte ich endlich einmal dieser Frage nachgehen.

Unlängst tauchte dann in einem Osteopathieforum wieder einmal die Frage beziehungsweise die Suche nach einem nicht-esoterischen Osteopathen auf. Das war er. Der springende Punkt – an dem dieser Beitrag startet. Denn ein weiteres Mal fragte ich mich, was eigentlich ein nicht-esoterischer Osteopath ist. Oder andersrum gefragt – was ist ein esoterischer Osteopath? Ich habe die Frage im Forum gestellt – und nicht wirklich viele Antworten bekommen.

Beginne ich unüblicherweise mal mit einem Fazit.

Osteopathie kann esoterisch sein. Osteopathie kann spirituell sein. Osteopathie kann aber auch einfach nur pragmatisches Lösen einer Ursache-Folgekette sein.

Was ist überhaupt Osteopathie?

In ihrer Reinform, so wie sie vielerorts beschrieben steht und so wie ich sie innerhalb meiner fünfjährigen Weiterbildung gelernt habe, ist Osteopathie eine manuelle also ausschließlich über die Hände des Therapeuten praktizierte Heilmethode. Anwender in Deutschland unterliegen dem Heilpraktikergesetz, welches besagt, dass nur derjenige die Osteopathie ausüben darf, der entweder als Arzt oder Heilpraktiker bestallt ist.

Im Kern geht es darum, die sogenannte Schlüsseldysfunktion zu finden, also das fehlerhafte Puzzleteilchen im Organismus, welches aus der Reihe tanzt und somit Symptome entstehen lässt.

Über eine klassische eingehende Befragung, funktionelle Tests, das Begutachten und Erfühlen von Körperstruktur findet der Behandler zu seiner These. Anhand dieser stellt er den Behandlungsplan auf.

Und während die klassisch schulmedizinische Therapie einem symptomatischen Ansatz folgt, streben wir in der Osteopathie immer nach einer holistischen Denkweise. Die betrachtet selbsterklärenderweise neben dem Körper auch die Psyche, Alltags- und Essverhalten und alles was irgendwie den menschlichen Körper beeinflussen könnte.

…und hier kommen wir wahrscheinlich zu der Grenze, wo Worte wie Esoterik langsam auf der Bildfläche erscheinen.

Fast möchte ich unterstellen, dass das Wort Psyche und alle damit verbundenen Belange…

Definition Quelle Wikipedia: „Die Psyche bezeichnet die Gesamtheit aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Individuum oder speziell eines Menschen. Sie beinhaltet Fühlen, Denken und sämtliche individuelle geistige Fähigkeiten, also somit auch unter anderem Denkvermögen, Lernfähigkeit, Emotionen, Wahrnehmung, Empfindung, Empathie, Wissen, Intuition oder Motivation.“

…so dann und wann fehlgedeutet, vielleicht auch aus Kompensationsgründen als esoterisch abgewunken werden.

Alles, wo der Mensch vielleicht nicht ran möchte, was möglicherweise momentan außerhalb der eigenen Kontrolle oder Greifbarkeit liegt – wird kurzerhand als esoterisch und damit scheinbar nicht weltlich, nicht statthaft und in jeder Form als ablehnenswert erklärt.

Lieber das, als sich in der Tiefe damit auseinanderzusetzen, die eigene Wahrnehmung genauer zu hinterfragen. Zumindest ich nehme das so wahr, dass Esoteriker landläufig durchaus auch mal als Spinner bezeichnet werden – und mit so einem Quatsch möchte man sich nicht befassen.

Die Grenze ist wirklich schwer zu ziehen. Gibt es überhaupt diesbezüglich eine Grenze?

Selbst ein Spiegel Bericht aus dem Jahr 2012 teasert über Osteopathie: „Esoterik oder ganzheitliche Heilkunst?“ Im Prinzip ein Widerspruch in sich – wenn man länger drüber nachdenkt. Und was eingehend des Beitrages nach einer spannenden Auseinandersetzung zum Thema klingt – endet extrem kurz und recht flach in der Erwähnung der Teilbereiche der Osteopathie mit Betonung und mehr als diese Betonung ist es leider auch nicht, auf dem umstrittensten Teil – der kraniosakralen Osteopathie. Woher die Informationen bezogen wurden, lässt sich nicht nachvollziehen.

Ist eine Heilmethode also esoterisch, weil man angeblich vergeblich nach Wirksamkeitsnachweisen sucht? Das ist schon sehr abstrakt und weit hergeholt… und man könnte zum Beispiel hier schauen – um einige Studien zu Osteopathie zu finden.

Was genau ist eigentlich Esoterik?

(Quelle: Wikipedia)

Der Begriff Esoterik steht übergeordnet für Geheimlehren. Lehren, deren Wissen nur einem bestimmten, jedoch nicht definiertem Personenkreis zugängig ist.

1772 wird das Adjektiv „esoterisch“ erstmalig und auch in dem Kontext der Geheimlehre aus dem Französischen und Englischen ins Deutsche übernommen. Erst seit dem 20 Jahrhundert sind diesem Wort Bewertungen wie weltfremd, versponnen, geheimnistuerisch und unverständlich anhängig.

Wissenschaftlich unterscheidet man diesen Begriff in religions- und geschichtswissenschaftliche Ansätze.

Die Geschichte der Esoterik geht bis in die Antike zurück. Schaut am besten mal selbst zu Wikipedia rüber.

Um es hier nicht zu weit zu verzweigen und vor allem, nicht dass der Beitrag noch als #esoterisch, weil #unverständlich deklariert wird, halte ich mich für meinen Diskurs mal an der Aussage, Esoterik ist Wissen, welches nur bestimmten Personengruppen zugängig ist. Ob allein dieser Fakt, die Zugängikeit nur für eine bestimmte Personengruppe, schon als geheim zu bezeichnen ist, würde ich verneinen.

Denn in diesem Beitrag geht es ja um die Frage – was genau an Osteopathie esoterisch sein kann.

Das Wissen der Osteopathie ist jedem Mensch in Deutschland frei zugängig. Damit ist Osteopathie zumindest aus diesem Grund für mich nicht esoterisch.

Entweder man nimmt an den unzähligen Weiterbildungen teil – oder studiert sich durch die Vielzahl von mittlerweile vorhandener Literatur.

Geheim ist das Wissen um Osteopathie keinesfalls.

Wer das behauptet, hat sich nicht informiert und hat wahrscheinlich einfach weder Zeit noch Lust, 5 Jahre die Schulbank einer Osteopathieschule zu drücken und zuvor den nötigen Vorberuf zu ergreifen. Denn ja – soweit ich weiß, werden für osteopathische Weiterbildungen vorrangig Bewerber mit medizinischem Vorberuf zugelassen. Also Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden. (Fallen Euch noch mehr Berufsgruppen ein? Schreibt es mir mal bitte in die Kommentare)

Später, also Anfang des 20. Jahrhunderts, so lese ich weiter bei Wikipedia, entwickelt C.G. Jung das Konzept des „kollektiven Unbewussten“. Hier geht es um verschiedene Bewusstseinszustände, verschiedene Ebenen der Wirklichkeit und das Überschreiten der Grenzen dorthin.

In dem Zuge werden Meditationstechniken, Channeling, Trance und auch psychoaktive Drogen wie LSD genannt.

Kleine Zwischenbemerkung – das sind alles Dinge, von denen innerhalb meiner fünfhährigen Weiterbildung Osteopathie niemals die Rede war. Stattdessen haben wir Anatomie gebüffelt und versucht, die Zusammenhänge im Körper zu verstehen.

Und: In einer klassisch osteopathischen Sitzung ist der Patient, wenn auch manchmal tiefenentspannt und scheinbar abwesend, aber immer Herr seiner Sinne und bekommt keinerlei Substanzen verabreicht.

Trotzdem hängt der Methode Osteopathie der Vorwurf der Esoterik an. Mir leuchtet es immer noch nicht ganz ein. Reichen dafür tatsächlich ein paar wenige, inhaltlich recht mager bestückte und vor allem aus reinen Behauptungen bestehende Internetbeiträge auf Psiram oder ähnlichen Seiten?

Reicht dafür, wenn eine Praxis ohne tieferen Hintergrund nach Räucherstäbchen riecht oder an der Wand ein paar mittlerweile recht gängige, fast trendige Symbolbilder hängen? Also Dinge, die neuzeitlich fast in jeder Wohnung zu finden sind und einfach dem Wohlbefinden dienen? (zwar auch eine gewisse Beeinflussung darstellen – aber Wohlbefinden ist doch nun wirklich nicht esoterisch?)

…. es kommt noch ein Aspekt hinzu:

Im Wikipedia-Beitrag zu Esoterik ist das ganzheitliche Konzept der Natur beschrieben. Angestrebt wird ein Leben im Einklang mit der Natur.

Ja – das ist ein absolut ausgemachtes Ziel beziehungsweise eine Anschauung von uns Osteopathen.

Ganz pragmatisch geht es um möglichst naturbelassene Nahrung, zirkadiane Rhythmen und das Bewusstsein der Ganzheit und rein strukturell in den Sitzungen um das Herstellen der Physiologie in den körperlichen Abläufen. Alles ist mit allem verbunden.

Sind wir mit unserer Osteopathie deswegen esoterisch?

Ich denke ganz klar nein.

Man darf das eine nicht mit dem anderen vermischen. Die paar wenigen Netzvorwürfe oder plump dahingeschwurbelten Bewertungen in diese Richtungen sind hier und da mit Beispielen belegt. Zum Beispiel dem Besuch auf einer Esoterikmesse. Auch ich habe eine solche Messe in Berlin schon einmal besucht und muss sagen, ich fand es grottenlangweilig bis hanebüchen.

Nur weil einer um meinen Kopf rumwedelt und dabei kryptische Silben murmelt, wahnwitzig oder pseudoschlau guckt – muss ich noch längst nicht glauben, er hätte ein höheres Wissen oder gar Wissen über mich. Wenn mir einer auf solch einer Messe weismachen möchte, er sei ein Medium und nur er könne wissen, was ich jetzt brauche… dann kann er das gerne propagieren. Glauben – glaube ich, was ich will.

Und ich persönlich glaube weder an ein Medium, an Engel oder Atlantis, auch an keinen bestimmten Gott.

Jeder darf und muss selbst entscheiden, woran er glaubt.

Ich glaube zum Beispiel sehr stark an meine Intuition.

Ich habe gelernt, selbst wahrzunehmen, Dinge kritisch zu hinterfragen oder auch instinktiv zu bewerten. Das passiert ohnehin ständig und unterbewusst.

Wer also eine solche Messe besucht und sich alles Mögliche einreden lässt – hat seine Chance der Selbstkritik, der Selbstüberprüfung aufgegeben, verspielt oder einfach nicht genutzt. Manche Menschen mögen das Geheimnisvolle. Manche sind gern von anderen abhängig. Wer sich darauf einlässt – ist auch durch jede andere Meinung, Strömung oder Vorgabe beeinflussbar.

Manchmal ist das eine bewusste Lebenshaltung und manchmal tatsächlich eine noch unerkannte Überlebensstrategie. Sich unterordnen, anpassen und brav beziehungsweise einem anderen, scheinbar stärkerem hörig sein. Zig Bücher der Traumaliteratur sind voll davon …

Das allein hat aber überhaupt nix damit zu tun, ob nun eine Methode in sich esoterisch ist oder nicht.

Eine Methode wird esoterisch – wenn ich möchte,

dass sie esoterisch ist.

Wenn in meiner Wahrnehmung der Himmel grün ist – ist er grün.

Diese Tatsache lässt sich kaum widerlegen.

Und genauso verhält es sich in osteopathischen Sitzungen. Recht oft sagt irgendjemand zu mir: „Sie haben magische Hände“ oder „Sie sind eine Zauberin“ … mir wird ein Hoheitsstatus verliehen, denn ich absolut nicht haben möchte.

Leider könnte ich genau aus diesem Grunde meinen Patienten alles erzählen. Das der Darm falsch herum dreht, das der Magen ein wenig zu hoch hängt, das der Schädel in sich verdreht ist (in Osteoschwurbel „Torsion“) …. ohje ohje …. aber ganz ehrlich?

Was soll das.

Warum soll ich mich ins Überschlaue, Nichtnachvollziehbare, Geheimnisvolle – vielleicht sogar ins Manipulative erheben? Natürlich möchte ein Patient wissen, ob ich kompetent bin und ausreichend Fachwissen angehäuft habe. Völlig normal.

Dennoch soll jede meiner Behandlungen nachvollziehbar sein. Relativ oft frage ich sogar bei meinen Patienten nach und frage: „Können Sie das so für sich wahrnehmen?“ …. manchmal können sie es und manchmal können sie es nicht.

Beides ist ok.

Doch fatal ist, wenn sie es nicht können und ein Gefälle zwischen uns entsteht. Ich die augenscheinlich Besserwissende, die osteopathisch tätige Heilpraktikerin… dann kann das ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse, wie sie von Gurus aus der Spirituellen Szene bekannt sind, bekommen.

Das genau das nicht passiert – dafür muss ich als Behandlerin sorgen.

Falls nicht, dann bekommt es vielleicht diesen esoterischen Touch, von dem hier einige reden und den ich gern widerlegt sehen würde. Ich empfinde mich in keinster Weise als esoterische osteopathisch tätige Heilpraktikerin – doch allein mit dieser,  durch andere vollzogenen Bezifferung, wird dieser Methode eine Chance vergeben.

Zum großen Teil sind wir in der Osteopathie tätigen Therapeuten also selbst dafür verantwortlich, ob wir uns in eine esoterische (weil geheimnissvolle) Ecke quetschen lassen möchten.

Oder eben nicht.

Was meint ihr denn?

An meine Kollegen da draußen: Eine offene Diskussion würde mir gut gefallen. Bezeichnet ihr euch als esoterisch? Was genau macht für euch den Status eines „esoterischen Osteopathen“ aus?

Und an alle Patienten: Findet ihr, dass Osteopathie esoterisch ist? Warum? Welche Elemente in osteopathischen Sitzungen sind euch begegnet, die ihr als esoterisch empfunden habt? Ich bin echt neugierig…

…schreibt es mir gern rein in die Kommentare oder schreibt mir eine mail an info@osteopathie-hintringer.de

 

 

Autorin: Sandra Hintringer

 

 

 

"6" Comments
  1. Was an der Osteopathie esoterisch sein soll? Ganz einfach: in der evidenzbasierten Medizin kann ich als Laie die Dinge (weitest
    gehend) auch nachvollziehen. Ich kann meinen Atem spüren. Ich kann meinen arteriellen Puls fühlen. Ich kann eine Fraktur auf dem Röntgenbild sehen. Ich kann mithilfe des Radiologen gemeinsam ein MRT betrachten und nachvollziehen, was festgestellt wurde. Ich kann meine Blutwerte messen lassen und mich darüber aufklären lassen usw.

    Was kann ich in der Osteopathie? Nichts! Ich kann keinen Craniosacralen Rhythmus spüren. Ich kann nicht spüren, wie die Schädelknochen – angeblich – ganz fein pulsieren. Ich kann keine somatische Dysfunktionen wahrnehmen. Ich kann nicht die Energie spüren, die eine osteopathische Therapeutin mit einen V-Spread von A nach B durch meinen Körper schickt usw.

    Ich kann nur glauben, dass das, was der Osteopath sagt, irgendwie stimmt, wahr ist. Das ist das Geheimwissen, um das es geht! Wie der Osteopath zu seiner „Diagnose“ kommt, was er da genau mit seinen Händen fühlt, nichts davon ist nachvollziehbar. Eine Zerrung oder Rückenschmerzen kann der medizinische Laie sehr wohl nachvollziehen.

    Wie unterschiedlich und irreführend die osteopathischen, diagnostischen Methoden insbesondere, die mit den Händen ausgeführten sein können, haben viele Studien bewiesen.

    Siehe hier: https://bmccomplementmedtherapies.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12906-018-2098-8 und hier: http://faculty.une.edu/com/shartman/sram.pdf

    Die Studienergebnisse von Hartmann und Norton aus dem Jahr 2002 sind bis heute nicht eindeutig und unmissverständlich mit einer ebenso hochwertigen Studie widerlegt worden!! Nur minderwertige Studien kommen zu (auch nur teilweise) positiven Ergebnissen.

    • Hallo Volker. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, der sich ja leider etwas ernüchtert, kämpferisch oder auch verärgert liest. Das tut mir leid, dass Du noch keinen Osteopathen getroffen hast, der Dir schlüssig erklären kann, was für eine These er aufstellt und anhand welcher Befundparameter er zu dieser These kommt. Ich bin mir allerdings auch gar nicht sicher, ob Du überhaupt auf solch eine Erklärung Lust hättest – es klingt eher so, als ob Du grundsätzlich davon ausgehst, dass Osteopathie Quatsch ist. So klingen zumindest Deine Veröffentlichungen. Das ist Deine Meinung und die zu haben ist doch völlig legitim.

      Ich versuche in meinen Behandlungen immer pragmatisch, schlüssig und vor allem so vorzugehen, dass der Patient weiß, wo wir stehen. Also warum ich die Aussagen treffe, die ich treffe oder warum ich genau jenen Therapievorschlag mache. Ich schätze – Du machst es in Deiner Praxis genauso – wie man das schlussendlich nennt, ist mir persönlich ehrlich gesagt mittlerweile völlig egal. Irgendwas von Energie zu faseln, läge mir persönlich völlig fern, da gebe ich dir recht, das ist wenig bis gar nicht nachvollziehbar. (kommt wohl aber leider in der Praxis vor) Osteopathiesprech wie V-Spread am Patient oder auch in meinen Texten zu platzieren, halte ich ebenfalls für wenig zielführend… das dient aus meiner Sicht nur meiner eigenen Überhöhung. Das hilft niemandem.

      So hat eben jeder seine Auffassung, soweit ich weiß, hast ja auch früher in diesem Bereich gearbeitet und bist mittlerweile in der Szene bekannt, für deine Statements. Kritische Gedanken sind immer gut – das stützt unsere Arbeit. Vielen Dank dafür.
      Lg Sandra

      • Liebe Sandra,
        erstmal Danke für Deine schnelle Antwort. Ich möchte darauf kurz antworten. Also erstens bin ich null verärgert; mein Schreibstil ist klar und scharf, aber nicht verächtlich. – Doch, doch ich war bei einer osteopathischen Koryphäe hier in Düsseldorf jahrelang in Behandlung (Dr.med.Quadflieg, Facharzt für Rheumatologie und Rehabilitation, Osteopath und Feldenkrais Praktiker, der die evidenzbasierten Medizin verlassen hat, um sich ganz der Osteopathie zu widmen. Preis pro Behandlung €150.- vor 10 Jahren. Bei ihm musste man immer ganz leise eintreten und sofort die Schuhe ausziehen….). Wie Du ja bereits festgestellt hast, habe ich die Osteopathie in Teilen selbst erlernt (in über 1500 Stunden) und kann sie eben auch aus dem Blickwinkel eines ehemals Praktizierenden beurteilen. Mittlerweile habe ich immer mehr „Osteopathie-Opfer“ in meiner Praxis. Patienten, denen die oft zweifelhaften Behandlungen nichts gebracht oder sogar zu Verschlimmerungen geführt haben. Oder Patienten, die sehr überzeugt sind, von dem, was Ihnen „Ihr“ Osteopath erzählt hat und dieses „Wissen“ nun als Basis für meine Behandlungen betrachten. Die Schärfe meiner Statements hat in den Jahren zugenommen, weil die Schere von guten wissenschaftlichen Studien zu den schlechten immer grösser wird und viele Verbraucher sehr unkritisch an Osteopathie rangehen. Mein Kollege aus Wuppertal, der Tobias Saueressig ist da viel sachlicher. Dass ich in der „Szene“ bekannt bin, ist mir bewusst, denn ich blogge ja schon seit 2009 zu dem Thema, habe viele Abmahnungen hier in Düsseldorf durchführen lassen, Strafanzeigen gestellt und Zivilverfahren geführt. Aktuell wurde ich vom BVO abgemahnt, weil ich auf meiner Internetseite schreibe, dass ich esoterische Methoden wie „Osteopathie“ und „Craniosacrale Therapie“ nicht anbiete. Wir haben gegen die Abmahnung geklagt. Termin vor dem Landgericht Düsseldorf ist am 11.11. (wo hier eigentlich der Karneval beginnt. Diese Jahr müssen die Richter jedoch wegen Corona ran 🙂 Mal sehen, wie das Gericht das sieht. Zur Not ziehen wir vors Oberlandesgericht. Zu guter Letzt: es geht hier nicht um meine Meinung zur Osteopathie, meine Meinung interessiert null. Es geht darum, was der Wahrheit, insbesondere der medizinischen Wahrheit, der anatomischen Wahrheit und der physiologischen Wahrheit näher kommt. Darum geht es und nur darum. Alles andere sind persönliche Plänkeleien. Um die Wahrheit geht es auch Prof. Ernst in seinem Blog. Gegen ihn bin ich ein kleines Licht. Aber auch kleine Lichter können leuchten…..

        • Hallo Volker.

          Naja, wahrscheinlich könnten wir Stunden die Gedanken um das Thema kreisen lassen. Danke also nochmals für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich werde immer behutsamer in meinen Auffassungen und Worte wie Koryphäe sind eben auch Teil einer persönlichen Wahrheit. In dem Fall Deiner und vielleicht all derer, die eben auch bei dieser Korpyphäe gern leise reinschleichen. Und Deine eigene Wahrheit ist eben das Ergebnis vieler Deiner Meinungen, Beobachtungen, Empfindungen. Und das alles ist bekanntlich von Mensch zu Mensch, von Behandler zu Behandler verschieden. Ist es jetzt wichtig bei einer scheinbar teuren Koryphäe ein und auszugehen oder ist es jetz wichtig, dass die Osteopathie eine These aufstellt und der Behandler die auch begründen kann und im Idealfall der Patient auch noch nachvollziehen kann?

          In meinem Beitrag zu Osteopathie & Esotherik habe ich expilizit darüber geschrieben, dass es eben auch immer am Therapeuten selbst liegt und da sehe ich unsere Verantwortung, egal ob das Osteopathie, Physio- oder Psychotherapie heißt – sich Überhöhungen hinzugeben oder eben zu lernen, wirklich frei in der Betrachtung zu sein. Menschen also Patienten nicht abhängig von uns werden zu lassen. Alles andre – also zum Beispiel Überhöhungen wie zum Beispiel Zuschreibungen wie Korpyphäe oder die Pacht auf allumfängliches Wissen dient aus meiner Sicht immer der Nährung des eigenen Egos, des eigenen Selbst.

          Das ist nur ein Teil der Wahrheit…. Im Kontext der Wahrheitsfindung frage ich mich immer gern – worum geht es denn eigentlich? Also was ist des Pudels Kern? Und am Ende landen wir fast immer bei der selben Antwort – wir alle wollen geliebt und anerkannt und frei und selbstbestimmt sein. Und dafür kämpfen wir. Du, ich und alle unsere anderen Mitmenschen. Zu sehen ist dann ein Alltagsleben – wie es uns sich eben gerade bietet. Mit Höhen, mit Tiefen, mit mehr oder weniger freundlichem Umgang und mit Machtspielchen. Das macht auch vor der osteopathischen Landschaft in Deutschland nicht Halt.

          Auch in meine Praxis kommen viele Menschen, die irgendwoanders nicht zufrieden waren (sei es in der Osteopathie, in der Orthopädie, beim Hausarzt, beim Physio …. ) – und genausogut, da bin ich mir sicher – gehen Leute von mir wiederum woanders hin, weil sie bei mir nicht zufrieden waren. So ist das eben. Kein Mensch – weder Du noch ich, noch irgendjemand anders kann jemals die absolute Hoheit über die Heilung eines anderen Menschen haben. Das ist schier unmöglich … Ob das jetzt alles die von Dir titulierten Osteopathie-Opfer oder anders Opfer von eben nicht vollumfänglicher Betrachtung waren bleibt der Wahrheit jedes Einzelnen der hier mitliest nun offen.

          Ich bin mir aber sicher – dass die Komplexität der Krankheitsfälle steigt. Ich mache meinen Job nun auch schon gut 20 Jahre. Mittlerweile ist in Deutschland ein Bild entstanden, dass der osteopathische Therapeut in scheinbar nur einer Sitzung alles gerade biegt, was die letzten Jahre, Jahrzehnte im Leben vielleicht schief lief. Von Drogenkarriere bis mutliple Unfälle… wenn´s der Osteopath nicht in einer, na sagen wir in bis zu drei Sitzungen ausgebügelt hat …. taugt er nicht.

          Das ist leider eine Überhöhung, zu der die Osteopathie unfreiwillig gelangt ist – weil es in einigen Fällen vielleicht ganz wundersam mit der Heilung geklappt hat.

          Das ist ein Grund, warum ich mich fürs Bloggen entschieden habe – authentisch von der vordersten Front berichten, dass es eben manchmal doch nicht so ist, wie es sich in der allgemeinen Haltung gerade darstellt. Und so hatte ich mich eben auch für den Beitrag zu Osteopathie und Esotherik entschieden.

          Ich weiß gerade nicht so richtig, warum es Dir so wichtig war, hier in unserer Konversation die vielen Abmahnungen, Strafanzeigen und Zivilverfahren zu erwähnen, die Du geführt hast. Es ging ja eigentlich um Osteopathie und Esotherik. Ich entnehme dem, dass Du Dich extrem engagiert einsetzt, irgendwas scheint Dir wichtig an der Sache … und gleichzeitig berichtest Du, dass Du selbst eine Abmahnung bekommen hast. Von einem Berufsverband für Osteopathie …

          …und so geht es hin und her und wir alle verpulvern mit diesen Grabenkämpfen ein Haufen wertvolle Lebenszeit. Und nochmals frage ich ich – worum geht es denn eigentlich? Was ist des Pudels Kern?

          Ich wünsche Dir sehr, dass Du Deinen Pudels Kern findest 🙂 … Lg Sandra

  2. Liebe Sandra, Du schriebst in Deiner ersten Antwort „Das tut mir leid, dass Du noch keinen Osteopathen getroffen hast…“ und ich habe Dir geantwortet, dass ich nicht nur nicht bei einem 08/15 Therapeuten war, sondern bei dem, der hier in Düsseldorf ganz oben steht bei den Osteopathen. Dies um zu verdeutlichen, dass das eigentlich nicht zu toppen ist. Der Dr.Q. würde das mit der Koryphäe von sich bestimmt nicht behaupten, der ist sehr demütig.

    Was Du offenbar nicht wahrhaben willst – und um den Punkt geht es aber und das ist auch des „Pudels Kern“, um bei Faust zu bleiben – dass es hier nicht um Meinungen und persönliche Erfahrungen geht, sondern um das, was medizinisch-wissenschaftlich ermittelt wird, eben losgelöst von der Person mit all Ihren subjektiven Erfahrungen. Du würdest ja auch nicht behaupten, dass 0+1=2 ist, sondern natürlich 1. Aber genau das tun Osteopathen, sie addieren zu Ihrer an sich wirkungslosen Therapie (gleich 0) andere Techniken (gleich 1) zum Beispiel aus der Physiotherapie (siehe Dein Video von 2016 mit den anschliessenden Yogaübungen nach der osteopatischen Behandlung) und behaupten dann, das Ergebnis sei 2. Um diesen Irrtum aufzudecken, gibt es ja die wissenschaftlich Forschung, nicht nur für Osteopathie.

    Dann hast Du weiter in Deiner 1. Antwort geschrieben „und bist mittlerweile in der Szene bekannt, für deine Statements….“ Und ich habe das nur ergänzt, mit dem, wo ich bis jetzt auch tätig war und bin, eben nicht nur bloggen und bla-bla, sondern die Sache auch mit allen Konsequenzen angehen. Welche Sache? Die Osteopathie da einzuordnen, was sie ist: eine nette Methode zur Entspannung, wie eine gute Massage eben. Alle anderen Behauptungen lassen sich mit wissenschaftlich hochwertigen Studien nicht belegen. Die Osteopathie ist eine Illusion und Betrug am Patienten, weil ihm etwas vorgegaukelt wird, dass nicht existiert. Ich hoffe, das war jetzt klar genug. Danke für Deine Geduld.

    • Lieber Volker …

      …danke auch für Deine Geduld und Deine Belehrung á la „was Du nicht wahrhaben willst“. Zumindest hast Du jetzt sehr klar Dein Anliegen hier formuliert. Danke dafür. Hat ja paar Kommentarzeilen gebraucht, bis wir auf den Punkt gekommen sind. Ich finde es wirklich wertvoll – Anliegen klar formulieren zu können, dafür habe ich Dir gerne den Raum gegeben und ich freue mich sehr über konstruktive, wertschätzende Diskussionen auf Augenhöhe auf meinem Blog. Losgelöst von Identifizierungen wie Osteopathie, Physiotherapie, Arzt, Koryphäen, Vereine, Berufsverbände.

      Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute
      Sandra

Schreibe einen Kommentar
*