Radfahren aus osteopathischer Sicht

Radfahren

Es ist einfach nur großartig. Ich finde es großartig!  Auf dem Drahtesel sitzen und durch die Landschaft cruisen. Seit ich denken kann, habe ich so ein zweirädriges Gefährt unter dem Hintern. Irgendwie bedeutet es für mich ein Gefühl von Freiheit. Längst ist es nun an der Zeit, diese Sport- und Fortbewegungsart osteopathisch zu durchleuchten.

Zunächst ein paar grundlegende Gedanken zum Radfahren:

Was könnte uns eigentlich besseres passieren, als uns aus eigener Kraft durch die Landschaft zu bewegen? Strecke bewältigen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun. Die Umwelt schonen und dabei auch noch richtig günstig unterwegs sein. Längst ist es Usus, für jede Gelegenheit das passende Rad im Keller zu haben. Eins mit Körbchen für den Einkauf, ein weiteres mit dünnen Reifen für die Tour übers Land, eines zum Zusammenklappen und ein anderes mit Batterie.

Was im Jahre 1817 mit der anmutigen Draisine begann, hat sich mittlerweile zu einer schier undurchschaubaren Industrie und einem richtigen Kult entwickelt.

Jede Ausdauersportart kurbelt die Aktivitäten und damit Zirkulationen im Körper an und ist somit potentiell gesundheitsfördernd. Da müssen wir nicht lange drüber reden.

Doch welche Aspekte machen speziell das Rad fahren zu einer osteopathisch sinnvollen Sportart?

  • Bewegung an frischer Luft und Sonnenlicht wirkt sich positiv auf unser Gehirn und damit die hormonelle Lage aus. Die Bildung von Serotonin, ein sogenannter Neurotransmitter, ist der erwartete jedoch wissenschaftlich noch nicht ganz geklärte Effekt. Mit seinen vielfältigen Wirkmechanismen nimmt Serotonin Einfluss auf viele Bereiche unseres Gehirns und damit auf unser Verhalten, unsere Wahrnehmung, die Schmerzverarbeitung, unseren Schlaf und sogar die Temperaturregulation im Organismus. Ein Mangel zeigt sich oft in gesteigerten Ängsten oder Aggressivität. Noch eine kleine Anmerkung. Bewegung allein reicht nicht, um Serotonin zu bilden. Wir benötigen die Aminosäure Tryptophan, welche wir über das Essen generieren. Hafer, Roggen, Walnüsse, Bohnen und Kichererbsen sind zum Beispiel gute Lieferanten.
  • Schauen wir uns die mechanische Bewegung des Radfahrens an. Die in ihrer Amplitude geführte Bewegung mobilisiert die Gelenke, vor allem der unteren Extremität. Also Hüft-, Knie- und Sprunggelenk. Das ist insofern interessant, da das Körpergewicht beim radeln nicht vollständig auf ihnen lastet. Je kleiner der Gang, desto schonender die Fahrt für die Gelenke. Hierbei lohnt es sich ab und an ein wenig in der Fußstellung zu variieren. Je weiter hinten der Fuß steht, desto stärker wird das Sprunggelenk bewegt. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Wadenmuskulatur aus. Die sogenannte Muskelpumpe wird aktiviert, das heißt durch die rhythmische Muskelan- und entspannung werden benachbart liegende Venen und Lymphgefäße richtiggehend ausgequetscht. Ähnlich wie in einer Lymphdrainagebehandlung.
  • Die körperliche Aktivität erfordert die Sauerstoffbereitstellung, damit die Muskeln ihre Arbeit kontinuierlich leisten können. Meist vertieft sich der Atem. Das Zwerchfell dehnt sich aus und steigert somit seine Sogleistung auf die unteren Bereiche. Zusätzlich zur rhythmischen Tretbewegung. Diese Kombination verbessert den Rücktransport von Stauungen aus den Beinen. Radfahren ist also ideal für diejenigen, welche unter Stauungsphänomenen vor allem in den Beinen leiden.
  • Vor allem für Menschen, die nicht mehr so weit laufen können ist es psychologisch wichtig, mit dem Rad einen größeren Alltagsradius zu haben, welchen sie unabhängig von anderen Personen oder Verkehrsmitteln bewältigen können. Radfahren stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Selbständigkeit. Denken wir doch hierbei ruhig auch mal an die kleinen Kinder, welche das erste Mal unfallfrei eine Runde gedreht haben. Stolz wie Bolle, oder?
  • Die rhythmische Beinbewegung massiert die Baucheingeweide. Vor allem unser Darm freut sich über diese Bewegung. Im Idealfall werden die Verdauungsaktivitäten reguliert. Überschüssige Darmgase können leichter entweichen und auch die Darmentleerung verbessert sich bei einigen Menschen durch regelmäßiges strampeln. Hierbei ist es wiederum nicht entscheidend, ob man draußen oder auf dem Hometrainer fährt.
  • Häufige Kopfbewegungen, vor allem Drehungen geschehen ohne weiteres Zutun. Im Normalfall sollte man sich beim Fahren häufiger umschauen. Ist dies der Fall, dann geschieht eine ganz natürliche Mobilisation für die Halswirbelsäule. Hierbei sei jedoch vorausgesetzt, dass die Sitzposition dies nicht einschränkt.
  • Je nach Fahrrad findet eine mehr oder weniger starke Mobilisation für die Hüftgelenke statt. Man möchte immer meinen, es fehle uns an Streckung oder Hüftöffnung. Viele Menschen haben jedoch stark in Beugung eingeschränkte Hüften. Vor allem die oft kritisch beäugten Rennräder erfüllen durch die gebeugte Sitzhaltung genau diesen Zweck wunderbar.
  • Fast schon zu banal, um es überhaupt zu erwähnen. Jedoch die Kräftigung der Muskulatur vor allem in den Beinen aber auch Arme, Rücken und Bauch darf in dieser Aufzählung dennoch nicht fehlen.
  • Radfahren verbrennt Kalorien. Jede einzelne Muskelaktivität verbrennt Kalorien. Zögere also nicht, dich regelmäßig aufs Zweirad zu schwingen. Jeder Kilometer hilft.
  • Rüttelige Feldwege, Kopfsteinpflaster – so unangenehm es ist – die Schüttelei ist durchaus auch hilfreich zur Mobiliation des oberen Rückens und der Schultern. Die Art des Fahrrads sowie die Arm-Rumpfhaltung spielen hierbei eine große Rolle. Je nach Fahrrad kann auch genau der gegenteilige Aspekt eintreten. Durch sehr unebene Wege ist mehr Stabilisation gefordert. Bei manchen führt dies zu mächtigen Verspannungen.
  • Radfahren reguliert Stressphänomene. Durch die körperliche Bewegung werden die im Blut befindlichen Stresshormone abgebaut. Eine entspanntere Geisteshaltung sowie eine Lockerung in den Muskeln und Bindegeweben sind der daraus resultierende positive Effekt.
  • Radfahren schult das Gleichgewicht. Im ersten Moment denkst du dir wahrscheinlich wieso? Doch spätestens, wenn das Gleichgewicht mal nicht so gut ist, weil vielleicht gerade eine Verletzung kuriert wird, merken wir schnell, wie komplex dieser uns alltäglich liebgewonnene Ablauf ist. Aufsteigen – losfahren – anhalten – mit einem Fuß sicher auf dem Boden landen – Stehen – und losfahren …. JETZT 🙂

Und? Hast du ein wenig Lust bekommen, deinen Drahtesel aus dem Keller zu holen?

Hast Du eigentlich eine Lieblingsstrecke? Ich schon. In Potsdam gibt es den wunderschönen Park Sansoucci. Dieser darf leider mit dem Rad nicht wirklich befahren werden. Doch es gibt den sogenannten Wirtschaftsweg, welcher den Park durchquert. Diese Strecke ist recht kurz und dennoch für mich immer wieder eine kleine heilsame Auszeit.

Wo ist deine Lieblingsstrecke?

Hast du Fragen zu diesem Artikel? Dann schreib mir gern in die Kommentare!

 

 

 

 

 

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