Wie finde ich einen guten Osteopathen?

Wie finde ich einen guten Osteopathen? Du hast Beschwerden, Symptome und hast darüberhinaus gehört, dass Osteopathie gut sein soll? Und nun brennt Dir die eine Frage unter den Nägeln: Wie finde ich einen guten Osteopathen? Das ist eine sehr gute und im Tumult der derzeitigen osteopathischen Landschaft eine sehr berechtigte Frage. In diesem Beitrag werde ich der Sache mal in der Tiefe nachgehen. Denn was für den Einen gut ist, muss für den nächsten noch lange nicht mal ausreichend sein. Weiter unten teile ich eine Checkliste mit 24 Punkten, die Du für Deine Suche mit heranziehen kannst.

Ein paar Gedanken vorab zum Thema: Guter Osteopath

Wir sind uns sicherlich einig, dass das Wort gut ein höchst subjektiver Eindruck ist. Wenn Deine Nachbarin zu Dir sagt: „Ich kenne da einen guten Osteopathen, geh´ da mal hin.“ – so beruht dieser Tipp wahrscheinlich auf der guten Erfahrung, die die Nachbarin da gemacht hat. Das ist super und eigentlich auch eine der besten Möglichkeiten, einen guten Osteopathen zu finden. Trau´ ruhig der Meinung Deiner Nachbarin, wisse aber immer, dass mein „gut“ nicht automatisch auch Dein „gut“ sein muss.

Oder anders: Habe Deine Parameter im Kopf, was Du von einer guten Behandlung erwarten würdest.

Rein rechtlich betrachtet, würden wir es im Allgmeinen als gut bezeichnen, wenn der Osteopath eine genormte Ausbildung mit einer gewissen Länge absolviert hätte. Und hier beginnt der Fisch im Prinzip schon vom Kopf an zu stinken. Der Beruf Osteopath existiert so derzeit in Deutschland nicht beziehungsweise gibt es keinerlei staatliche Anerkennung oder Regulation bezüglich dieses Berufes. Also Vorsicht. Denn:

Jeder „Wald-und-Wiesen-Möchtegern-Osteopath“ darf sich so nennen.

Im Prinzip auch Du, wenn Du Dir einfach ein hübsches Schildchen bastelst und es an Deine Praxis hängst. Der Begriff Osteopathie ist weder geschützt noch beinhaltet er irgendeine Aussage, wie lange und ob derjenige überhaupt osteopathische Weiterbildungen absolviert hat.

Na gut – aber so doll stinkt der Fisch dann doch nicht, denn es gibt dennoch Parameter, an denen man sich orientieren kann um die Phrase „guter Osteopath“ zumindest auf rechtlich sichere Füße zu stellen.

Bei der Frage: Wie finde ich einen guten Osteopathen? geht es also zum Einen um subjektive Punkte, die Du selbst beurteilen musst und zum anderen um rechtliche Punkte, die eindeutig gesetzlich verankert sind.

Ein guter Osteopath ist Arzt oder Heilpraktiker

Und da sind wir eigentlich schon am Kernpunkt angekommen. Ein guter Osteopath handelt immer im rechtssicheren Rahmen. Alle anderen Varianten sind Kompromisslösungen, die vielleicht motiviert und gut gemeint sind, sich aber in der rechtlichen Grauzone bewegen.

Das sind dann vielleicht Physiotherapeuten, die sich gerade in der Weiterbildung zur Osteopathie befinden. Oder Therapeuten, die vielleicht gerade auf ihren Termin zur Überprüfung zum Heilpraktiker warten. Da sind auch Therapeuten dabei, die leider durch die Überprüfung zum Heilpraktiker durchgefallen sind oder schlicht Therapeuten, die es gar nicht einsehen – diese Rechtlichkeit einzuhalten. Und versteh´ mich bitte nicht falsch – das sind oft fachlich sehr gute Therapeuten.

Achte bei der Wahl der Praxis darauf, dass es sich um einen Arzt oder einen Heilpraktiker handelt. Das hat neben der gesetzlichen Verankerung auch noch den Grund, dass der Behandler eine vernünftige Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Wer sich in der Grauzone bewegt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht für die ausgeübte Tätigkeit versichert sein. Belehrt mich gern, wenn ich mich hier irre.

Ein guter Osteopath muss seine Tätigkeit nicht verklausulieren

Manchmal finden sich wortreiche Umschreibungen für das, was man vielleicht am Ende als Osteopathie verkaufen möchte. Fall bitte nicht drauf rein. Hinter der Begrifflichkeit: „osteopathische Techniken“ verbirgt sich meist eine Schnellbesohlung, eine noch nicht ganz abgeschlossene Weiterbildung oder eben der fehlende Heilpraktikertitel.

Ein guter Osteopath schreibt auf sein Schild, Flyer, Webseite schlicht unter Leistungen:

Osteopathie

Und gegebenfalls noch Osteopathie mit Schwerpunkt Babys, Schwangere, Sportler oder andere Spezialisierungen innerhalb der Osteopathie.

Genauso unausgegoren ist es, wenn darüber geredet wird – die Osteopathie in eine andere Behandlungsmethode „mit einfließen zu lassen“. Osteopathie ist ein einzigartiges und völlig insich schlüssiges Konzept – das muss nirgends einfließen, damit es wirken kann.

Die Weiterbildungs- oder Studienzeit von Osteopathen

In Deutschland besteht im Moment die Möglichkeit Osteopathie in Vollzeit oder berufsbegleitend zu lernen. Das Vollzeitstudium zum Beispiel an der Hochschule Fresenius in München dauert 8 Semester. Die berufsbegleitenden Weiterbildungen laufen meistens über 4-5 Jahre und beinhalten pro Jahr zwischen 4 – 8 Wochenendsemimare. Hierbei wird meistens die magische Stundenzahl von 1350 Stunden an Gesamtstunden deklariert.

Ein guter Osteopath hat eine der beiden Varianten voll durchlaufen und ist fertig mit dieser Ausbildung. Also nicht irgendwo mittendrin – sondern mit bestandender Prüfung abgeschlossen.

Häufig aber nicht immer erwähnen Osteopathen auf ihren Webseiten das Ausbildungsinstitut sowie die Gesamtstundenzahl der absolvierten Ausbildung. Alternativ kannst Du Dich bei jedem anvisierten Behandler nach dessen Ausbildung oder dessen Ausbildungsinstitut erkundigen. Ich persönlich begrüße solche Fragen, weil sie mir zeigen, dass sich der Patient dafür interessiert, wem er seinen Körper und seine Geschichte anvertraut.

Was macht einen guten Osteopathen in der Praxis aus?

Jetzt kommen wir zu einer Menge Faktoren, die höchst subjektiv sind. Und dies nicht nur aus Patientensicht – sondern auch jeder Behandler hat für sich entschieden, welche Art von Umgang und Behandlung oder Praxisführung aus seiner Sicht gut ist.

Du kannst die nächsten Punkte also als grobe Orientierung aber bitte nie als Absolution verstehen. Menschen und damit Behandler und auch Patienten sind höchst verschieden. Vor allem in ihren Bedürfnissen – und so gibt es zwangsläufig Unterschiede am osteopathischen Markt. Pauschale Listen, wie etwas sein muss, kann auch schnell den Geschmack der Vorverurteilung über Gut & Nicht Gut oder Korrekt & Nicht Korrekt enthalten.

In der folgenden Checkliste stelle ich eine ganze Reihe von Faktoren zusammen, die gemeingültig als gut für den Ablauf von osteopathischen Sitzungen befunden werden.

Checkliste – 24 Punkte um einen guten Osteopathen zu finden

  • Zuverlässigkeit in der Terminvergabe – der Osteopath gibt Dir per mail, per Onlineterminbuchung oder telefonsich einen Termin verbindlich bekannt
  • ein guter Osteopath wird nie im Vorfeld ein Heilversprechen abgeben – für eine Aussage zu Deinem Zustand muss er Dich immer befragen und untersuchen
  • Termindauer – die allgemein veranschlagte Zeit für osteopathische Behandlungen liegt bei 45 – 60 Minuten
  • die Praxis bietet Diskretion und Datenschutz
  • die Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese)
  • dem eingehenden Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung und eine allgemeine Funktionsprüfung Deiner Beweglichkeit (also zum Beispiel ob Du in die Hocke gehen kannst oder die Arme hinter dem Kopf verschrenken)
  • der Osteopath ist auch emotionalen Belangen aufgeschlossen beziehungsweise nimmt jedes Anliegen Ernst, wertet nicht ab oder belächelt Deine Anliegen
  • besonders in Bezug auf psychische Themen verweist er im Ernstfall an fachbezogene Stellen
  • der Osteopath hört in der Regel sehr genau zu, fragt nach und interessiert sich manchmal auch für scheinbar unbedeutende Details
  • hält gewisse Hygienestandards ein
  • für die körperliche Untersuchung kann es notwendig sein, Kleider abzulegen – der seriöse Osteopath wird Dich nie dazu zwingen
  • ebenfalls wird sich der Osteopath immer rückversichern, ob das wirklich ok ist, was er da mit Dir macht (zum Beispiel die Hand auf den Bauch oder unter den Kopf legen etc.)
  • der Osteopath stellt nach Befragung und Untersuchung eine These auf – das heißt er entwickelt eine Idee, warum das Symptom / das Problem entstanden sein könnte und richtet seine Behandlung inklusive eventueller Hausaufgaben anhand dieser These auf
  • der Osteopath akzeptiert, wenn Du nicht manipuliert („geknackst“) werden möchtest
  • aus der These ergibt sich auch der Behandlungsplan – erst nach einer ersten Sitzung kann wirklich verlässlich gesagt werden, ob die Behandlung weitergeführt wird, ob weitere medizinische Abklärung nötig ist und in welchem Intervall weitere Behandlungen angeordnet werden könnten
  • der Osteopath nimmt sich Zeit und hastet nicht durch die Behandlung – außerdem erklärt er Dir geduldig und vor allem auf Augenhöhe, worauf es bei der Behandlung bei Dir ankommt, der Osteopath geht auf Deine Fragen ein
  • ein guter Osteopath macht zu Beginn immer erst nur einen Termin und erwartet niemals die Verpflichtung zu einer Serie von Summe X von Terminen
  • der Osteopath schreibt Dir eine Rechnung, diese Rechnung enthält eine Rechnungsnummer, Gebührenziffern und eine Diagnose
  • der Osteopath kommuniziert im Rahmen des Datenschutzes – Rechnungen werden verschlüsselt oder per Postbriefversendet oder persönlich beim Termin übergeben, unsichere Messengerdienste werden nicht benutzt, der Osteopath vermeidet es – Dich im Beisein von Dritten mit Namen anzusprechen
  • der Osteopath lässt sich vorher schriftlich von der Schweigepflicht entbinden, bevor er Kontakt mit Arztpraxen, Versicherern etc. aufnimmt – ein guter Osteopath schützt Dich und Deine Privatsphäre und gibt keinerlei Informationen über Dich und Deinen Besuch in der Praxis heraus
  • der Osteopath führt eine Behandlungsdokumentation – entweder elektronisch oder via Karteikarte, der Osteopath ist verpflichtet, diese Daten 10 Jahre aufzubewahren
  • ein guter Osteopath postet keine Fotos oder Videos von Patienten im Internet wie zum Beispiel bei Instagram oder Facebook, dazu gibt es Stockfotos oder Schauspieler, die man für solche Zwecke buchen kann
  • ein Osteopath – und übrigens auch kein anderer Therapeut lässt sich zum Betrug anstiften: Das heißt Zusammenziehen von Heilmittelvorerdnungen (also Physiorezepte) oder Rechnungen, die auf andere Personen ausgestellt werden – wird es bei einem stabil aufgestellten Therapeuten nicht geben.
  • und der eigentlich banalste Punkt zum Schluss: Ein guter Osteopath findet eine Lösung für Dein Problem und falls nicht, wird er Dir schon nach wenigen Behandlungen (meist zwischen 1-3) sagen – dass er nicht die richtige Person für das Phänomen ist und im Idealfall an einen anderen Spezialisten verweisen….

Fazit zum Thema guter Osteopath

Ich habe in diesem Beitrag wirklich oft die Bezeichnung „guter Osteopath“ benutzt. Das impliziert ja automatisch, dass es wohl auch Schlechte geben muss. Im Prinzip dünnes Eis – denn wer sagt, was gut oder schlecht ist? Es liegt fast immer im Auge des Betrachters – bis auf die Dinge, die eindeutig gesetzlich geklärt sind.

Falls Du selbst Osteopath bist, so hilft Dir diese Liste vielleicht, Deine Praxis immer und immer wieder zu überdenken, Handhabungen weiter reifen zu lassen, sodaß sich unsere Patienten wirklich wohl fühlen. So sehr unsere heiß geliebte Osteopathie mancherorts gehypt wird – schwingt weiter drüben leider immer die Option, dass wir nichtanerkannte Berufsgruppe einen Ruf zu verlieren haben. Das muss und darf man sich so ab und an vor Augen führen. Hast Du Anmerkungen dazu? Dann schreib´ mir gern – unten gibt es die Möglichkeit, einen Kommentar zu hinterlassen.

Bist Du Patient und gerade auf der Suche nach einem Osteopathen, so kann ich Dir mit diesem Beitrag hoffentlich die Suche erleichtern – hast Du Fragen? Dann schreib´ mir gern.

Und wo finde ich nun konkret Adressen von guten Osteopathen?

Wie eingehend schon erwähnt, ist die Empfehlung durch Nachbarn, Freunde oder Kollegen Gold wert. Das bestätigt auch mein tägliches Erleben in der Praxis.

Falls Du aber niemand hast, der Dir eine Empfehlung aussprechen kann, frag´ doch einfach mal Deinen Hausarzt. Durch andere Patienten hat er immer einen Überblick, welcher Behandler in Deinem Fall geeignet sein könnte.

Außerdem ist google nicht zu unterschätzen – google einfach: Deine Stadt + Osteopathie und Du bekommst eine Menge angezeigt. Dann musst Du einfach nur die Webseite nach den oben genannten Parametern durchsuchen.

Im Internet finden sich mittlerweile auch viele Listen von Osteopathen. Einziger Haken – es gibt eben nicht die eine Liste, wo alle drauf sind. Eine recht umfangreiche findet sich nach Städten geordnet auf dem übergeordneten und damit Verbands- sowie Schulunabhängigen Portal Osteokompass

 

Autorin: Sandra Hintringer (Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Osteopathie und Traumatherapie in Potsdam)

 

 

 

 

 

 

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