#GedankenzurKrise3: Lassen wir jetzt alle die Hosen runter? Und wie wir die Krise für persönliches Wachstum nutzen können…

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…oder kommt grad´ ungebremst all das aus unserem tiefsten Inneren zu Tage, was wir bislang gut durch nach außen gerichtete Aktivitäten kaschieren konnten?

Diese Woche ist es mir besonders aufgefallen. Egal, wo auch immer ich in meinem derzeit dosierten Radius hingegangen bin – in den Bäcker, in meine Praxis oder den Supermarkt, ja selbst durch die Erzählungen meiner Patienten kam irgendwie immer was ähnliches raus…. diese Woche war eine starke Energie im Gange.

Was meine ich mit Energie?

Irgendwie waren alle …Moment … alle weiß ich nicht, aber gefühlt „viele“ mit kämpfen, meckern, sich angegriffen fühlen, Kräfte messen, Sachen bereinigen, Ketten sprengen, Beziehungen geschäftlich und privat klären – vielleicht mit siegen oder auch verlieren beschäftigt. Leute fühlten sich wesentlich stärker gestresst oder waren auch deutlich verspannter.

Ich frage mich, warum das so ist.

Also warum kommt gerade derartig viel Bewegung in unser Miteinander? Warum wackelt auf einmal lang Beständiges?

Auch ich habe mich selbst in einem Level eines Verhaltens erlebt, was ich kaum für möglich gehalten hätte. Seit Jahren auf der Suche nach meiner reflektiertesten Version, übe ich Tag für Tag – Menschen achtsam zu begegnen. Versuche mich so gut es geht – zurückzunehmen, meiner Impulsivität nur dosiert freien Lauf zu lassen. Das gelingt mir mal mehr und diese Woche eben weniger gut. Und wie sagte daraufhin ein Kollege zu mir: „…ich bin doch auch nur ein Mensch“ …. hat er Recht.

Man ich kann wirklich nicht erwarten, dass immer alle genauso funktionieren und reagieren, wie mir das am besten in den Kram passen würde. Und trotzdem habe ich mich durch meine Urinstinkte reiten lassen. Da scheint ja doch irgendwas nicht gepasst zu haben. Seitdem bin ich ständig am Forschen, was hier gerade mit mir – und eigentlich mit uns allen passiert.

Warum ist die Meute derzeit so aufgebracht?

Warum höre ich gerade total oft den Satz: „Ich bin gerade nicht in meiner Mitte“.

Kommen wir, also einige von uns – ein Stück weit gerade mit unseren Opfer oder Täterenergien in Kontakt?

Wenn ja – warum eigentlich?

Ich bin gar nicht sicher, bei wem ich es als erstes recherchiert habe. War es Prof. Franz Ruppert, der gesagt hat – dass aus jedem Opfer ein Täter werden kann?

Muss man also davon ausgehen, dass alles, was jetzt über Wut, Anspannung und Ärger oder Instabilität nach außen bricht – alte, unverarbeitete Verletzungen sind? Die eben just in dem Moment von äußerem hohen Stress wie einem Pandemiefall nicht mehr kompensiert werden können? Und dann einfach unreflektiert rausbrechen und neue Verletzungen anrichten?

Das wäre fatal aber möglich.

Ich habe keinen hieb- und stichfesten Ansatz, auch keine wissenschaftliche Untersuchung. Stand heute kann ich also leider nur sagen – ich habe in letzter Zeit bei mir und bei anderen ein stärker aufbrausendes bis destruktives Verhalten beobachtet.

Aber eins scheint mir sehr klar. Die Krise kann unmöglich das allheilige Erklärmodell für alle Verfehlungen sein.

Also Wut und Ärger bricht raus und dann die Leute so: „Die Krise, sieh´ es mir bitte nach – ich bin gerade nicht ganz in meiner Mitte. Es ist ja für uns alle gerade keine leichte Zeit. Nimm es nicht persönlich – aber ich klatsche Dir jetzt mal was an den Kopf“. (….oder nochmal anders formuliert – „mir geht es gerade so so schlecht, ich bin ein Opfer der Krise – und nun musst Du damit klar kommen, dass ich Täter werde und dich verletze.)

Ok.

Denke ich mir.

Ich versuche der Sache zunächst ganz yogisch zu begegnen, versuche wertfrei zu bleiben, einfach nur zu beobachten, versuche sie nicht persönlich zu nehmen, atme ein – atme aus, mache tagelang weiter wie gewohnt. Doch die Dinge wiederholen sich, werden im Laufe der letzten Zeit mehr und mehr.

Erlaubt uns diese nie dagewesene Krise, uns zu verhalten wie ein ungehobelter Klotz?

Ich denke nicht.

Die Krise ist nur der Beschleuniger.

Der Fakt, das i-Tüpfelchen, dass das unbemerkte Fass zum Überlaufen bringt. Und das kann gerade jedem von uns passieren. Gewohnheiten sind weggebrochen und auch Sicherheiten, vielleicht auch die Kompensationsstrategien. Da steigt nun mal die Anspannung, unser Verhalten ändert sich. Einerseites ganz normale Physiologie.

Aber muss es dann immer gleich so ein extremes Programm sein? In einem Beitrag von vor paar Tagen hatte ich geschrieben, dass wir Menschen immer unterbewusst reagieren. Im Falle von Bedrohung – oder augenscheinlicher Bedrohung dann immer mit einem der drei Mechanismen:

  • Kampf
  • Flucht
  • Totstellreaktion

Das Ding ist – wenn diese extremen Programme laufen – wissen wir, läuft ein Notfallprogramm im menschlichen Nervensystem. Normales Reagieren, rationales Denken und Handeln ist in dem Moment nicht mehr möglich – das Unterbewusstsein geht von einer Gefahr für Leib und Leben aus. Das entschuldigt zwar auf gar keinen Fall, all das, was gerade passiert – hilft aber vielleicht, die Dinge besser zu verstehen, zu durchschauen.

Kurzum – viele von uns begegnen gerade dieser Qualität dieser hohen Anspannungsenergie.

Als Opfer – oder auch selbst als Täter.

Kampf – Flucht – oder Totstellen.

Steht man in der Schusslinie ist es zwar sehr unangenehm, man wird befeuert und weiß gar nicht, wie einem geschieht. Aber effektiv betrachet reagiert ja nur das Nervensystem unseres Gegenübers.

Vielleicht hilft dir dieser Ansatz.

Es dann tatsächlich nicht persönlich zu nehmen.

Ich versuche das gerade. Er / Sie meint nicht mich. Sein / Ihr Nervensystem ist gerade auf Alarm.

Und ich habe gemerkt – dass Menschen genau diese ruhige und verzeihende Qualität auch mir entgegengebracht haben. Das ist schön. Dafür möchte ich aus tiefstem Herzen danke sagen, wer das beherrscht – ist wirklich stark.

Und wie nutzen wir die Krise nun zum Wachsen?

Ich fänd´s gut, wenn wir selbst merken, was für ein Film läuft. Egal ob vor mir einer wie Rumpelstilzchen rumtanzt oder ob es mir selber passiert. Wo steht das Nervensystem meines Gegenübers – wo stehe ich? Kampf – Flucht – oder Totstellen?

So schützen wir uns und auch unsere Mitmenschen. So werden die Gräben vielleicht nicht noch tiefer.

Und wenn es dann noch richtig gut läuft und wir Lust haben, uns selbst mehr auf die Schliche zu kommen… dann kommt irgendwann vielleicht wieder Zeit und auch geistiger Freiraum, wo man diese Themen mal in ein Coaching, in eine Somatic Experiencing Stunde oder in jede andere Stunde mitnehmen kann – wo es um Klärung geht.

…in diesem Sinne!

Frohe Ostern Ihr Lieben.

Gern dürft Ihr Eure Gedanken im Kommentarfeld dazu teilen, ich freue mich.

 

 

 

 

 

 

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