Die FIFA hat turbulente Präsidenten schon erlebt. Doch unter Gianni Infantino hat sich der Weltverband in eine Richtung bewegt, die selbst die Skandale früherer Jahre überstrahlt, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf welt.de. Zwischen Machtspielen, XXL-Turnieren und politischen Freundschaften verliert der Fußball zunehmend an Licht.
Von Havelange bis Blatter: Präsidenten mit fragwürdigen Ideen
Exzentrische Führungskräfte gab es bei der FIFA schon immer.
Ein kurzer Blick zurück zeigt, wie tief die Wurzeln dieser Tradition reichen:
- João Havelange (1974–1998) wollte Fußballspiele in vier 25-Minuten-Abschnitte aufteilen – mehr Pausen, mehr Werbung. Die Idee scheiterte, seine Karriere später auch: Korruptionsvorwürfe kosteten ihn den Ehrentitel.
- Sepp Blatter machte mit seinem Vorschlag Schlagzeilen, die Trikots im Frauenfußball „weiblicher“ zu gestalten. 2015 wurde er durch den Ethikausschuss für acht Jahre gesperrt – wegen einer dubiosen Zwei-Millionen-Euro-Zahlung an Michel Platini.
Der Verband war also einiges gewohnt. Doch Infantino setzte neue Maßstäbe.
Infantinos erster Schritt: Kontrolle über alle Schaltstellen
Als er 2016 das Präsidentenamt übernahm, dauerte es nicht lange, bis die Machtstrukturen neu geordnet wurden. Die FIFA-Rat erhielt die Möglichkeit,
- Mitglieder der Ethik-, Audit- und Disziplinarkomitees zu ernennen oder abzusetzen,
- damit die internen Kontrollinstanzen faktisch dem Präsidenten zu unterstellen.
Domenico Scala, damals Chef der Governance-Struktur, trat kurz darauf zurück. Ein Signal, das jeder verstand: Infantino ließ keinen Raum für unabhängige Gegenmacht.
Ein Weltturnier ohne Grenzen

Seine größte Baustelle: die WM. Unter Infantino wurde sie zum Mammutprojekt.
- Aus 32 Teilnehmern wurden 48,
- aus einem Turnier mit überschaubarer Länge ein Kalender mit 104 Spielen,
- aus einer Weltmeisterschaft eine globale Roadshow.
Der Turnierpfad der letzten und kommenden Jahre wirkt wie ein geopolitisches Schachbrett:
- Russland 2018
- Katar 2022
- USA/Kanada/Mexiko 2026
- Drei Kontinente 2030
- Saudi-Arabien 2034
Kritiker sehen darin nicht die „Entwicklung des Fußballs“, sondern den Ausbau politischer Netzwerke.
Nähe zu Autokraten
Infantino pflegt auffallend enge Beziehungen zu Staatschefs, deren Umgang mit Menschenrechten weit von den Werten entfernt ist, mit denen die FIFA sich gerne schmückt. Dazu zählen:
- Wladimir Putin, der ihn 2019 mit dem „Orden der Freundschaft“ ehrte,
- Kronprinz Mohammed bin Salman,
- Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani.
Dass Infantino inzwischen ein zweites Zuhause in Katar hat, überrascht niemanden mehr. Sportpolitik und persönliche Agenda scheinen ineinanderzufließen.
Der FIFA-Friedenspreis: Eine Bühne für Absurdität
Der Moment, der besonders hängen blieb, ereignete sich beim WM-Losverfahren. Infantino präsentierte stolz einen neu erfundenen FIFA-Friedenspreis – und überreichte ihn ausgerechnet Donald Trump, der zuvor Städten unter demokratischer Führung mit dem Entzug von Großveranstaltungen gedroht hatte.
Trump legte sich die Medaille sofort um den Hals, während Infantino ihm öffentlich versicherte:
„Sie können immer auf meine Unterstützung und die der gesamten Fußballwelt zählen.“
Es wirkte weniger wie eine sportliche Ehrung, mehr wie ein politisches Statement.
Ein Verband im Schatten
Infantino inszeniert sich gerne als Stimme der Fans und Spieler. Doch seine Entscheidungen zeigen ein anderes Bild:
- Machtkonzentration ohne Gegengewicht,
- politische Allianzen statt sportlicher Integrität,
- Turniere, die größer werden, aber nicht besser,
- und eine FIFA, die sich weiter von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernt.
Der Fußball gerät unter Druck – nicht wegen einzelner Skandale, sondern wegen einer Führung, die den Verband Schritt für Schritt in eine dunklere Richtung lenkt.
Wie stark sich Sport und Inszenierung inzwischen vermischen, zeigt auch ein aktuelles Beispiel rund um Harry Kane und seine neue KI-Actionserie.

