Aromatisierte und teils nikotinhaltige Zahnstocher werden unter Schülerinnen und Schülern immer beliebter, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf bild.de. Eine Schule in München zieht nun klare Konsequenzen und spricht ein komplettes Verbot aus.
Wie ein TikTok-Trend den Weg ins Klassenzimmer fand
Im Frühjahr tauchten aromatisierte Zahnstocher erstmals als modisches Lifestyle-Produkt auf. Im Mai bot der 22-jährige Start-up-Gründer Folkert Boehler dem Schauspieler Ryan Reynolds die Zahnstocher an. Der Hollywoodstar probierte sie vor laufender Kamera und zeigte sich begeistert, was dem Produkt schlagartig Aufmerksamkeit verschaffte.

Kurz darauf verbreitete sich der Trend rasant in sozialen Netzwerken. Vor allem auf TikTok tauschen sich Jugendliche über Geschmacksrichtungen und Kaufempfehlungen aus. Was als harmlose Spielerei begann, wurde innerhalb weniger Wochen zum festen Bestandteil des Schulalltags.
Investoren, Prominente und ein schneller Hype
Der Erfolg blieb auch in der Geschäftswelt nicht unbemerkt. In der Sendung „Shark Tank“ zeigten mehrere Investoren Interesse an dem Produkt. Den Zuschlag erhielt schließlich Judith Williams, die 250.000 Euro für 17,5 Prozent der Firmenanteile investierte.
Zusätzliche Aufmerksamkeit kam aus der Musikszene. Der Rapper Massiv, bürgerlich Wasiem Taha, vertreibt und bewirbt aromatisierte Zahnstocher unter eigenem Namen. Gerade bei jungen Zielgruppen trug das entscheidend zur weiteren Verbreitung bei.
Zahnstocher im Mund statt Aufmerksamkeit im Unterricht
An Münchner Schulen stieß der Trend jedoch zunehmend auf Kritik. Lehrkräfte berichteten, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts mit Zahnstochern im Mund sitzen. Besonders betroffen seien die siebten und achten Klassen.

„Einige Kollegen kamen auf mich zu und schilderten, dass Kinder wie kleine Cowboys im Klassenzimmer sitzen“, sagt Harald Kraus, kommissarischer Schulleiter der Carl-Linde-Realschule. Für den Unterricht und die Konzentration sei das alles andere als förderlich.
Warum es nicht bei Geschmacksfragen bleibt
Problematisch ist vor allem der mögliche Nikotingehalt. In einem Elternbrief wies Kraus darauf hin, dass es mittlerweile Zahnstocher gibt, die nicht nur aromatisiert, sondern mit Nikotin versetzt sind. Gesundheitsexperten sprechen von 2 bis 6 Milligramm Nikotin pro Zahnstocher.

Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält durchschnittlich 10 bis 12 Milligramm Nikotin. Zwar werden solche Produkte teils als Hilfsmittel zur Reduktion des Rauchens verkauft, im schulischen Alltag lässt sich jedoch kaum erkennen, ob ein Zahnstocher nikotinfrei ist oder nicht.
Klare Regeln und ein vollständiges Verbot
Für die Schulleitung war das ausschlaggebend. Kraus machte deutlich, dass nikotinhaltige Produkte für Schülerinnen und Schüler grundsätzlich verboten sind und ein Gesundheitsrisiko darstellen. Die Schule nutzt daher ihr Hausrecht und untersagt ab sofort das Mitbringen und Benutzen sämtlicher Zahnstocher.
Das Verbot gilt ohne Ausnahme, unabhängig vom Inhalt. Eltern wurden gebeten, ihre Kinder entsprechend zu sensibilisieren, Lehrkräfte kontrollieren die Einhaltung vor allem in den Pausen. Ziel der Maßnahme sei es, die Ausbreitung des Trends frühzeitig zu stoppen und Suchtstoffen im Schulalltag keinen Raum zu geben.
Auch andere Alltagsprodukte geraten wegen möglicher Gesundheitsfolgen zunehmend in den Fokus – ein aktueller Fall zeigt, wie gefährlich übermäßiger Konsum sein kann.

