Eine Studie der Universität Oxford sorgt derzeit für viel Aufmerksamkeit, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf bild.de. Impfstoffe, die eigentlich gegen RSV und Gürtelrose eingesetzt werden, könnten das Risiko für Demenz deutlich reduzieren – ein Effekt, den Forschende so bisher nicht erwartet hatten.
Warum die Ergebnisse so wichtig sind
Demenz betrifft weltweit Millionen von Menschen, allein in Deutschland leben rund 1,8 Millionen Betroffene. Die Zahl steigt seit Jahren, und Expertinnen und Experten rechnen damit, dass sich die Fälle bis 2050 verdreifachen könnten. Vor diesem Hintergrund bekommt jede neue Erkenntnis, die Einfluss auf das Erkrankungsrisiko hat, enormes Gewicht.
Genau deshalb wurde die Oxford-Studie so interessiert aufgenommen: Sie zeigt, dass gängige Impfstoffe möglicherweise auch das Gehirn schützen.
Wie die Studie aufgebaut war

Das Forschungsteam wertete die Daten von 436.000 Patientinnen und Patienten aus. Verglichen wurden vier Gruppen:
- Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft wurden,
- Personen mit einer RSV-Impfung,
- Patientinnen und Patienten, die beide Impfstoffe erhielten,
- sowie eine Vergleichsgruppe, die nur die Grippeimpfung bekam.
Der entscheidende Unterschied: Die RSV- und Gürtelrose-Impfstoffe enthalten den Wirkverstärker AS01. Dieser Adjuvans aktiviert Immunzellen stärker – und könnte damit eine Rolle beim Schutz vor Demenz spielen.
Was die Forschenden herausfanden
18 Monate nach der Impfung zeigten sich klare Unterschiede:
- 18 % geringeres Demenzrisiko nach der Gürtelrose-Impfung,
- 29 % geringeres Risiko nach der RSV-Impfung,
- 37 % Risikosenkung bei Personen, die beide Impfstoffe erhielten.
Der stärkere Effekt bei den Adjuvans-haltigen Impfstoffen führte zu der Vermutung, dass AS01 mehr bewirkt als nur die Abwehrstärkung bei Infektionen.
Was noch offen bleibt
Die Forschenden betonen, dass noch unklar ist, ob die Impfstoffe Demenz tatsächlich verhindern oder lediglich den Beginn der Krankheit hinauszögern. Beide Szenarien wären jedoch ein bedeutender Fortschritt – besonders für ältere Menschen, bei denen jeder zusätzliche gesunde Lebensmonat zählt.
Was die Studienautorinnen und -autoren sagen
Maxim Take, Professor für Psychiatrie in Oxford, fasst die Ergebnisse so zusammen:
„Unsere Daten zeigen, dass die Impfstoffe gegen RSV und Gürtelrose das Demenzrisiko senken. Das stützt ihren Einsatz über die reine Infektionsprävention hinaus.“
Warum die Erkenntnisse die Medizin verändern könnten
Sollten weitere Studien diese Effekte bestätigen, könnten Impfstoffe künftig eine neue Rolle in der Prävention neurodegenerativer Erkrankungen spielen. Das eröffnet Perspektiven, wie man ältere Menschen nicht nur vor Infektionen, sondern auch vor kognitivem Abbau schützt – ein Ansatz, der das Gesundheitswesen langfristig entlasten könnte.
Die Erkenntnisse der Oxford-Forschenden passen zudem zu neuen Beobachtungen anderer Studien, wie etwa jener der Cornell University, die zeigt, dass langjährige Freundschaften mit einem langsameren biologischen Altern einhergehen.

