Nach einer Welle bundesweiter Drohschreiben gegen Schulen, Bahnhöfe und Einkaufszentren hat das Bundeskriminalamt (BKA) eine neue Spur verfolgt und mehrere Wohnungen in Deutschland durchsucht, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf spiegel.de. Die Ermittlungen richten sich gegen vier Verdächtige, darunter zwei Jugendliche, die im Verdacht stehen, hunderte gefälschte Bombendrohungen per E-Mail verschickt zu haben.
Laut BKA und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) sollen die Beschuldigten Teil einer online formierten Gruppe sein, die koordiniert Drohmails an öffentliche Einrichtungen in ganz Deutschland verschickte. Die Nachrichten kündigten angebliche Anschläge auf Schulen, Hauptbahnhöfe, Einkaufszentren und weitere Einrichtungen an und lösten zahlreiche Großeinsätze der Polizei aus. Obwohl sich jede Drohung als falsch erwies, führte die Serie über Monate hinweg zu erheblichen Störungen des öffentlichen Lebens.
Die Gruppe kommunizierte ausschließlich digital – in einem geschlossenen Messenger-Chat namens „Schweinetreff“. Nach bisherigen Erkenntnissen wollten die Beteiligten gezielt Unruhe stiften, Angst erzeugen und möglichst umfangreiche Polizeieinsätze provozieren. Bundesweit kam es in mehreren hundert Fällen zu Evakuierungen, Zugausfällen und Straßensperrungen.
Das BKA nannte einige besonders eindrückliche Beispiele: Im Mai 2024 wurde das große Einkaufszentrum am Limbecker Platz in Essen geräumt. Im September musste der Bahnhof Neunkirchen vollständig geschlossen und der Zugverkehr vorübergehend eingestellt werden. Im Oktober folgte die Evakuierung des MDR-Sendezentrums in Magdeburg mit umfangreichen Absperrmaßnahmen, während im Dezember sowohl ein großes Einkaufszentrum in Sachsen-Anhalt als auch eine Schule in Bad Hersfeld geräumt wurden. Ähnliche Vorfälle traten auch in Österreich auf.
Zwar gab es keinen einzigen tatsächlichen Gefahrenfall, doch der Schaden ist beträchtlich. Nach Angaben des BKA entstanden durch die Evakuierungen Sachkosten im hohen fünfstelligen Bereich. Viele Betroffene – insbesondere Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte – standen zudem unter erheblichem psychischem Stress. Häufig versuchten die Täter zusätzliche Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem sie in ihren Mails fälschlich einen „islamistischen Hintergrund“ behaupteten. Dafür fanden Ermittler jedoch keinerlei Hinweise.
Bei den Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt wurden zahlreiche elektronische Geräte und Datenträger sichergestellt. Festnahmen gab es bislang nicht.
BKA-Vizepräsident Sven Kurenbach betonte, der Einsatz zeige deutlich, dass das Internet trotz vermeintlicher Anonymität kein rechtsfreier Raum sei. Drohschreiben dieser Art hätten schwerwiegende Folgen und verursachten immense Kosten. Auch ZIT-Oberstaatsanwalt Benjamin Krause unterstrich, dass es sich nicht um harmlose Streiche handele, sondern um Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung spürbar beeinträchtigen und erhebliche finanzielle Schäden auslösen können.
Bereits im vergangenen Jahr berichtete der SPIEGEL über eine andere Onlinegruppe – den „Neuen Weltorden“ (NWO) –, der systematisches Cybermobbing und ebenfalls Drohungen mit Sprengstoff zugeschrieben wurden. Zwar führte das BKA damals Razzien bei mutmaßlichen Mitgliedern durch, doch die heutigen Ermittlungen richten sich laut Insidern gegen eine eigenständige, neu entstandene Gruppe.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, zu denen auch der Großeinsatz in Biberach wegen einer vermeintlich bewaffneten Person an zwei Schulen gehört.

