Die Entscheidung des Landrats von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg, auf ein Elektroauto als Dienstwagen zu verzichten, hat eine Debatte ausgelöst, die längst über die Region hinausgeht, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf ndr.de. Seine Begründung mit möglichen Kriegs- und Katastrophenfällen samt Stromausfällen sorgt für Kritik, Zustimmung und viel Kopfschütteln zugleich.
Wie aus einer Dienstwagenfrage ein Politikum wurde
An diesem Dienstag kommt der Kreistag in Parchim zu seiner letzten Sitzung des Jahres zusammen. Für Landrat Stefan Sternberg dürfte sie alles andere als ruhig verlaufen. Der 41-jährige SPD-Politiker, zugleich Vize-Landesvorsitzender seiner Partei, steht seit Tagen bundesweit in den Schlagzeilen.
Auslöser ist seine klare Absage an ein E-Auto als Dienstwagen. Sternberg begründete diesen Schritt mit möglichen großflächigen Stromausfällen im Fall von Krieg oder schweren Katastrophen. In solchen Szenarien sei ein Elektrofahrzeug nicht einsatzfähig, ein Hybrid-Verbrenner hingegen schon, so seine Argumentation.
Ein Selbstbild als Krisenmanager gerät ins Wanken
Die Aussagen sorgen auch deshalb für Irritation, weil Sternberg sich selbst immer wieder als erfahrenen Krisenmanager präsentiert hat. Im vergangenen Landratswahlkampf trat er mit dem Motto „Landrat für Katastrophenschutz mit Weitblick“ an und betonte seine Kompetenz im Umgang mit Ausnahmesituationen.
Gerade vor diesem Hintergrund wirken seine Zweifel an der Krisentauglichkeit von E-Autos für viele Beobachter widersprüchlich. Kritiker werfen ihm vor, extreme Bedrohungslagen heranzuziehen, um an bewährter, aber klimapolitisch umstrittener Technik festzuhalten. Sternberg selbst verweist auf pragmatische Überlegungen und sieht seine Entscheidung fernab ideologischer Debatten.
Umweltverbände und Grüne reagieren scharf

Besonders deutlich fiel die Reaktion von Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, aus. Er sprach von der „absurdesten Begründung für klimaschädliche Verbrenner-Technik“, die er bislang gehört habe. Krieg und Blackouts als Argument gegen Elektromobilität zu nutzen, zeuge von Kurzsichtigkeit, so Resch.
Auch die Grünen im Landtag gingen auf Distanz. Fraktionschefin Oehlrich kritisierte, dass ein 2,5 Tonnen schwerer BMW mit fast 500 PS kaum als sachliche Antwort auf Sicherheitsfragen tauge. Sternberg greife zu hypothetischen Bedrohungsszenarien, um eine aus ihrer Sicht rückwärtsgewandte Luxusentscheidung zu rechtfertigen. Ein Landrat trage Verantwortung und müsse Vorbild sein, betonte sie.
CDU stellt sich hinter den Landrat
Rückendeckung erhielt Sternberg hingegen aus den Reihen der CDU. Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller, zugleich Kreisvorsitzender der CDU in Ludwigslust-Parchim, hält die Kritik für deutlich überzogen. Umweltverbände und Grüne sollten sich fragen, wie belastbar ihre Vorstellungen von Elektromobilität in einer Welt mit unvorhersehbaren Krisen wirklich seien.
Sternberg werde vorschnell als rückständig abgestempelt, während andere in idealisierten Zukunftsbildern verharrten, so Waldmüller. Politische Entscheidungen entstünden nicht in einer perfekten Welt, sondern unter realen Bedingungen, die auch Risiken und Ausfälle einschlössen.
AfD kritisiert, SPD hält sich zurück
Auch die AfD-Fraktion im Landtag meldete sich zu Wort und bezeichnete Sternbergs Aussagen als bizarr. Wer im Verteidigungsfall aus einer Luxuslimousine heraus Einsätze koordinieren wolle, dem fehle es an Ernsthaftigkeit und Realitätssinn, erklärte der parlamentarische Geschäftsführer Thore Stein.
Auffällig ist dagegen das Schweigen der SPD. Die Landtagsfraktion wollte sich auf Nachfrage nicht äußern und überließ dem Landrat die öffentliche Verteidigung seiner Entscheidung. Diese Zurückhaltung wird parteiintern wie extern aufmerksam registriert.
Debatte in sozialen Netzwerken hält an
In sozialen Netzwerken wird der Fall weiter intensiv diskutiert. Einige Nutzer können den Hinweis auf die Abhängigkeit von Stromversorgung in Krisensituationen nachvollziehen. Viele andere halten die Argumente jedoch für konstruiert und wenig überzeugend.
Längst geht es nicht mehr nur um einen Dienstwagen. Die Diskussion berührt grundsätzliche Fragen nach Sicherheit, Klimaschutz und politischer Verantwortung – und zeigt, wie schnell technische Entscheidungen zu Symbolen größerer gesellschaftlicher Konflikte werden können.
Auch jenseits der Dienstwagen-Debatte rücken staatliche Eingriffe in den Fokus, etwa bei neuen Auflagen der BaFin gegen die Digitalbank N26.

