Jakarta versinkt langsam – und das ist längst Teil des Alltags, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf bild.de. Die größte Stadt der Welt mit rund 42 Millionen Einwohnern verliert buchstäblich den Boden unter den Füßen, und die Folgen dieses Prozesses sind für die Menschen vor Ort immer deutlicher spürbar.
Eine Stadt, die schneller absinkt als erwartet
Jakarta senkt sich nicht überall gleichmäßig, doch das Tempo ist selbst für Fachleute alarmierend. In einigen Stadtteilen verliert der Boden jedes Jahr mehrere Zentimeter an Höhe, mancherorts sogar bis zu 25 Zentimeter. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel, was vor allem den Norden der Metropole bedroht. Nach Einschätzung von Experten könnte bis 2050 rund ein Drittel des Stadtgebiets unbewohnbar werden.
Dieses Szenario wirkt längst nicht mehr theoretisch. Überschwemmungen in Küstennähe treten immer häufiger auf, während die Infrastruktur kaum Schritt halten kann. Für Millionen Menschen bedeutet das eine wachsende Unsicherheit und die reale Gefahr, ihre Wohnungen zu verlieren.
Die geografische Lage wird Jakarta zum Verhängnis

Der Geowissenschaftler Tilo Schöne vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam betont, dass die Ursachen nicht allein im Klimawandel liegen. Eine zentrale Rolle spielt die Lage der Stadt selbst. Jakarta ist von zahlreichen Flüssen umgeben, deren Wasser ständig in Bewegung ist und die sandigen Böden langsam ausspült.
Dadurch wird der Untergrund weich und instabil. Jede zusätzliche Belastung, sei es durch Wohnhäuser oder Industrieanlagen, verstärkt diesen Effekt. Selbst ohne extreme Wetterereignisse bleibt die Stadt damit dauerhaft anfällig.
Brunnen und dichte Bebauung verschärfen das Problem
Hinzu kommt die unzureichende öffentliche Wasserversorgung. In vielen Vierteln bohren die Menschen eigene Brunnen, um an Trinkwasser zu kommen. Laut Schöne führt das Abpumpen des Grundwassers dazu, dass der natürliche Gegendruck im Boden verloren geht.
Gleichzeitig wächst die Stadt immer weiter in die Höhe und Dichte. Schwere Gebäude lasten auf einem Untergrund, der bereits geschwächt ist. Das beschleunigt das Absinken zusätzlich und macht eine Umkehr des Trends nahezu unmöglich.
Warum Indonesien seine Hauptstadt verlegt
Die zunehmenden Überschwemmungen waren ein Auslöser für eine weitreichende Entscheidung. Indonesien baut mit Nusantara eine neue Hauptstadt im Landesinneren, mitten im Dschungel. Sie soll moderner, nachhaltiger und vor allem sicherer sein als Jakarta.
Der Umzug von Regierung und Verwaltung ist für die kommenden Jahre geplant, konkrete Termine gibt es bisher nicht. Jakarta wird zwar wirtschaftlich wichtig bleiben, verliert aber schrittweise ihre politische Rolle als Hauptstadt.
Nusantara soll alte Fehler vermeiden

Aus geologischer Sicht bringt der neue Standort klare Vorteile. Nusantara liegt nicht an großen Flüssen, der Untergrund gilt als deutlich stabiler. Zudem ist von Beginn an eine flächendeckende öffentliche Wasserversorgung vorgesehen.
Damit soll genau das verhindert werden, was Jakarta in diese Lage gebracht hat. Ohne massenhaft gebohrte Brunnen und mit kontrollierter Stadtplanung hofft die Regierung, die Probleme der alten Hauptstadt nicht zu wiederholen.
Warum niemand ein konkretes Datum nennt
Trotz aller Warnungen verzichten Fachleute auf exakte Zeitangaben. Das Absinken des Bodens verläuft in Jakarta sehr unterschiedlich. In manchen Vierteln sind es sechs bis zwölf Zentimeter pro Jahr, in anderen deutlich mehr.
Diese Unterschiede machen präzise Prognosen unmöglich. Wie Tilo Schöne erklärt, geht Jakarta nicht auf einen Schlag unter, sondern Stück für Stück. Genau diese Ungleichmäßigkeit macht die Situation so gefährlich – und so schwer berechenbar.
Während Städte und Staaten weltweit nach neuen Wegen suchen, um auf wachsende Risiken zu reagieren, haben die Marshallinseln als erstes Land ein Grundeinkommen eingeführt und zahlen 200 US-Dollar alle drei Monate aus.

