Der Gesundheitszustand der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit hat sich deutlich verschlechtert. Nach jahrelangem Leben mit Lungenfibrose bereiten Ärzte die 52-Jährige auf eine Lungentransplantation vor – ein Schritt, der nur dann gegangen wird, wenn es keine wirksamen Alternativen mehr gibt.
Dabei geht es nicht nur um einen komplexen chirurgischen Eingriff, sondern um einen langen medizinischen Prozess mit strenger Auswahl, präziser Logistik und lebenslanger Nachsorge, berichtet osteopathisch-leben.de unter Berufung auf bild.de. Entsprechend groß ist das öffentliche Interesse an der Frage, was eine solche Transplantation konkret bedeutet.
Warum eine Lungenfibrose zur Transplantation führen kann
Die Lungenfibrose ist eine chronische Erkrankung, bei der gesundes Lungengewebe nach und nach durch Bindegewebe ersetzt wird. Die Lunge verliert dadurch ihre Elastizität, der Sauerstoffaustausch verschlechtert sich spürbar. Für Betroffene wird selbst ruhiges Atmen zunehmend anstrengend.

Medikamente können den Verlauf in frühen Stadien verlangsamen, aber nicht aufhalten. Schreitet die Krankheit weiter fort, bleibt oft nur noch die Lungentransplantation. Nach Einschätzung der behandelnden Ärzte ist dieser Punkt bei Mette-Marit inzwischen erreicht.
Wer für eine Lungentransplantation infrage kommt
Professor Dr. Fabio Ius von der Medizinischen Hochschule Hannover erklärt, dass nur ausgewählte Patientinnen und Patienten auf die Warteliste kommen. Voraussetzung ist, dass alle anderen Therapien ausgeschöpft sind und keine bösartigen Erkrankungen vorliegen.
Gleichzeitig muss der körperliche Zustand stabil genug sein, um die Operation und die Zeit danach zu überstehen. Eine Transplantation ist kein spontaner Eingriff, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen medizinischen Abwägung.
Wie passende Spenderlungen gefunden werden
Deutschland ist Teil von Eurotransplant, einem internationalen Netzwerk zur Organverteilung in acht europäischen Ländern. Sobald eine Spenderlunge verfügbar ist, müssen Blutgruppe und Körpergröße exakt passen. Schon kleine Abweichungen können Risiken erhöhen.
Eine freie Wahl des Operationsortes gibt es nicht. Transplantationen folgen klaren nationalen und internationalen Regeln, weshalb sogenannte Transplantationstouristen die absolute Ausnahme sind.
Warum jede Stunde zählt
Zwischen der Entnahme der Spenderlunge und der Transplantation dürfen maximal acht Stunden liegen. In dieser Zeit wird das Organ in einer speziellen Lösung gekühlt, steril verpackt und bei etwa vier Grad Celsius transportiert.
Die Logistik ist dabei ebenso entscheidend wie der Eingriff selbst. Verzögerungen oder Temperaturschwankungen können die Erfolgschancen deutlich senken.
So läuft die Operation ab
In Deutschland werden jährlich rund 330 Lungentransplantationen durchgeführt, etwa ein Drittel davon an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort setzt man meist auf minimalinvasive Techniken mit kleinen Schnitten unter dem Brustkorb.
Zunächst wird die erkrankte rechte Lunge entfernt und durch das Spenderorgan ersetzt. In dieser Phase atmen viele Patienten nur mit einer Lunge und benötigen vorübergehend Unterstützung durch eine ECMO, eine Art künstliche Lunge. Anschließend folgt die linke Seite. Der Eingriff dauert in der Regel vier bis fünf Stunden.
Die ersten Wochen nach der Transplantation

Nach der Operation verbringen die Patienten zunächst Zeit auf der Intensivstation. Verläuft alles stabil, können sie meist schon am nächsten Tag auf eine normale Station verlegt werden. Insgesamt dauert der Krankenhausaufenthalt etwa drei Wochen.
Darauf folgt eine Rehabilitationsphase von ähnlicher Länge. Statistisch überleben rund 90 Prozent der Patienten das erste Jahr nach einer Lungentransplantation, doch die eigentliche Herausforderung beginnt oft erst danach.
Leben mit einer Spenderlunge
Professor Dr. Christian Taube vom Universitätsklinikum Essen-Ruhrland betont, wie eng Patienten langfristig an ihr Transplantationszentrum gebunden bleiben. Regelmäßige Kontrollen gehören zum Alltag, ebenso die lebenslange Einnahme von Medikamenten zur Unterdrückung des Immunsystems.
Im Vergleich zu anderen Organtransplantationen ist die Prognose bei Lungen komplexer. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es innerhalb von fünf Jahren zu einer chronischen Abstoßungsreaktion. Eine erneute Transplantation ist nicht immer möglich und stellt für viele Betroffene eine enorme Belastung dar.
Neue Empfehlungen für die Nachsorge
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat kürzlich aktualisierte Leitlinien zur Nachsorge nach Lungentransplantationen veröffentlicht. Sie enthalten konkrete Empfehlungen zur Immunsuppression, zur Häufigkeit von Untersuchungen und zum Umgang mit Infektionsrisiken.
Ziel ist es, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Lebensqualität der Patienten langfristig zu verbessern. Denn eine Transplantation markiert keinen Abschluss, sondern den Beginn eines neuen, anspruchsvollen Lebensabschnitts.
Die Ärzte hinter dem Verfahren

Professor Dr. Fabio Ius leitet seit 2020 das Programm für Herz- und Lungentransplantationen an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er führt die Eingriffe selbst durch und gilt als einer der erfahrenen Spezialisten auf diesem Gebiet.
Professor Dr. Christian Taube ist Direktor der Pneumologie am Universitätsklinikum Essen-Ruhrland, leitet den Lehrstuhl für Pneumologie an der Universität Duisburg-Essen und steht derzeit an der Spitze der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.
Für Mette-Marit bedeutet die bevorstehende Lungentransplantation eine enorme Herausforderung. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, wieder freier zu atmen und ein Stück Alltag zurückzugewinnen – auch wenn der Weg dorthin lang und medizinisch anspruchsvoll bleibt.
Gesundheitsthemen stehen derzeit besonders im Fokus, auch weil neue Trends unter Jugendlichen zunehmend kritisch diskutiert werden, wie ein aktueller Fall an einer Münchner Realschule zeigt.

